Uno-Bericht
Krise drosselt das Tempo der Globalisierung

Die Wirtschaftskrise bremst das Tempo der Globalisierung: Besonders spürbar wird der Geschwindigkeitsverlust bei den Direktinvestitionen der Unternehmen im Ausland. Einerseits investieren deutsche Firmen immer weniger im Ausland, andererseits verliert Deutschland massiv ausländisches Kapital. Doch nicht alle verlieren.

GENF. Laut Recherchen der Uno-Konferenz für Handel und Entwicklung (UNCTAD) geht der Kapitaleinsatz im laufenden Jahr erneut drastisch zurück: Die Summe der Direktinvestitionen jenseits der Grenzen werde 2009 nur noch 1,2 Billionen US-Dollar betragen, warnen die Fachleute in einem am Donnerstag in Genf veröffentlichten Bericht.

Im Jahr 2008 betrug die Summe der Direktinvestitionen noch 1,7 Billion US-Dollar. Im Rekordjahr der Direktinvestitionen, 2007, machten die Firmen fast zwei Billionen US-Dollar für ausländische Niederlassungen, Übernahmen und Beteiligungen locker. „Das ist schon ein starker Rückgang“, bilanzierte UNCTAD-Generalsekretär Supachai Panitchpakdi die Entwicklung. Der Thailänder rechnet erst 2010 mit einer Belebung des Engagements der Firmen jenseits der nationalen Grenzen. Die Direktinvestitionen im Ausland gelten neben dem Güterhandel und den Finanztransaktionen als einer der verlässlichsten Gradmesser der Globalisierung.

Vor allem hätten große multinationale Firmen seit Mitte 2008 vermehrt Kapital aus Industrieländern abgezogen, weil sich die Investitionen nicht mehr gerechnet hätten. Als einer der Verlierer steht laut UNCTAD die deutsche Wirtschaft dar. Investierten ausländische Firmen 2007 noch 56 Milliarden US-Dollar in den Standort, waren es im Jahr 2008 nur noch 25 Milliarden. Deutschland rutschte auf der Tabelle der attraktivsten entwickelten Länder für ausländische Investoren von Rang sieben im Jahre 2007 auf Rang neun im Jahre 2008 ab.

Die USA hingegen zogen laut UNCTAD 2008 (316 Milliarden US-Dollar) mehr Investitionen als 2007 (271 Milliarden US-Dollar) an und konnten ihre Position als attraktivste Volkswirtschaft für fremdes Kapital behaupten. Auf die USA folgen Frankreich, China, Großbritannien und Russland als stärkste Magneten für ausländisches Kapital.

Die Unternehmen lenkten laut UNCTAD aber mehr Kapital in Entwicklungsländer. Ihre Investitionen in den ärmeren Staaten stiegen von 530 Milliarden US-Dollar im Jahr 2007 auf knapp 620 Milliarden US-Dollar im Jahr 2008. Alle Regionen mit Entwicklungsländern zogen laut dem Report im Jahr 2008 im Vergleich zu 2007 mehr ausländische Investitionen angezogen. Den größten Sprung machten China, Indien und andere aufstrebende Volkswirtschaften Asiens, so die UNCTAD. Aber auch die Regionen Afrikas zählten 2008 zu den Gewinnern im Wettlauf um ausländische Investitionen.

Die Entwicklungsländer und die neuen Marktwirtschaften auf dem Gebiet der früheren UdSSR seien 2008 das Ziel von 43 Prozent aller ausländischen Investitionen gewesen. Niemals zuvor lockten diese Länder einen so großen Anteil des internationalen Kapitals an, hieß es. Die UNCTAD erklärt den Anstieg der Investitionssumme in den armen Ländern teilweise mit einer verzögerten Auswirkung der globalen ökonomischen Krise auf diese Regionen. Zudem würden die Investitionen in den Energiesektor in den armen Ländern weiter ausgebaut. Unternehmen investieren etwa in die Ölförderung und den Bergbau afrikanischer Staaten. Vom Energiehunger der Welt profitieren auch die Staaten Afrikas, die lange zu den ärmsten des Kontinents gehörten: Angola, Sudan und die Demokratische Republik Kongo.

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