Uno-Bericht
Verstädterung trifft Dritte Welt mit voller Wucht

Die rasant voranschreitende Verstädterung auf der Welt erreicht im kommenden Jahr vor allem in Entwicklungsländern ein nie da gewesenes Ausmaß: Jeder zweite Mensch lebt dann nach Uno-Angaben in urbanen Gebieten. Doch die wahren Magnete werden nicht die Mega-Cities dieses Planeten sein.

HB BERLIN. Hauptursachen sind eine unzureichende Familienplanung in der Stadt und Landflucht, wie aus dem am Mittwoch in Berlin vorgestellten Uno-Weltbevölkerungsbericht hervorgeht. Einer vor drei Stadtbewohnern weltweit fristet sein Dasein bereits heute in Slums - insgesamt eine Milliarde Menschen. Mehr als 90 Prozent der Bewohner von Armutsvierteln leben in der Dritten Welt.

Insbesondere in Afrika wachsen die Städte geradezu explosionsartig an, wie Renate Bähr von der Deutschen Stiftung Weltbevölkerung (DSW) mitteilte. Die Uno geht davon aus, dass sich in Afrika und auch in Asien die städtische Bevölkerung bis 2030 im Vergleich zur Jahrtausendwende glatt verdoppeln wird.

„Urbanisierung ist unausweichlich. Der Trend sollte uns aber nicht schrecken“, sagte Bähr. Städte böten bessere Chancen als ländliche Regionen, die bestehenden Probleme anzugehen. Der Schlüssel zur Verbesserung der Lage der Slumbewohner liege in einer guten Gesundheitsversorgung, Angeboten zur Schwangerschaftsverhütung und einer verbesserten Infrastruktur.

„Es gibt keine Patentrezepte. Aber es sind enorme Anstrengungen nötig, um auf die Entwicklung zu reagieren“, sagte Entwicklungshilfeministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul. Sie wies zugleich auf Fortschritte beim Zurückdrängen der städtischen Armut in Ländern wie Nicaragua und Bolivien hin.

In Staaten wie Kenia und Uganda sei hingegen dringend ein Umdenken nötig, forderte Bähr. Die sich unter Wolkenkratzern duckenden Wellblechhüttensiedlungen in Nairobi und Kampala würden vielfach als „unerwünschte Agglomerationen“ angesehen. Dabei lebten etwa in Äthiopien und Uganda bereits 90 Prozent der Menschen in Slums. Der derzeitige Ansatz von Stadtverwaltungen, die Zuwanderung in die Städte zu bremsen, sei vollkommen falsch. „Das städtische Wachstum wird weitaus stärker vom natürlichen Bevölkerungswachstum angetrieben, als von der Land-Stadt-Wanderung.“

Laut einer Uno-Projektion wird die Weltbevölkerung von derzeit rund 6,6 auf 9,2 Milliarden Menschen im Jahr 2050 wachsen. Dabei gehören nicht die so genannten Megastädte wie Tokio, Mexiko-Stadt oder Sao Paulo zu den am stärksten expandierenden Metropolen. Ihr Wachstum wird sich laut Uno-Bericht zukünftig sogar eher verlangsamen - sowohl in den Industrie- als auch in den Entwicklungsländern.

Eher als der Bevölkerungsanstieg wird der Klimawandel wohl einige Megastädte in Küstennähe vor existenzielle Probleme stellen: Städte wie Dhaka in Bangladesch oder Kalkutta in Indien sind demnach durch den Anstieg des Meeresspiegels und stärkere Stürme in Folge des Treibhauseffekts größeren Gefahren ausgesetzt. „Die Auswirkungen des Hurrikans „Katrina' auf New Orleans zeigen, dass auch Industrieländer gegen solche Katastrophen nicht gefeit sind“, heißt es in dem Bericht.

Obwohl kleinere Städte nicht so stark im Fokus der Medien stehen, sind sie die eigentlichen Träger des Urbanisierungstrends: Die Uno gehen davon aus, dass auf sie rund 50 Prozent des städtischen Bevölkerungswachstums zwischen 2005 und 2015 entfallen werden. Bereits heute leben mehr als die Hälfte der weltweiten urbanen Bevölkerung in Städten mit unter 500 000 Einwohnern.

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