Uno-Eklat
Wut-Rede Gaddafis löst Jubelstürme aus

Mit seiner ausschweifenden Rede vor der Uno-Vollversammlung hat der libysche Staatschef Muammar al-Gaddafi viele seiner Landsleute begeistert. Selbst libysche Oppositionelle im Exil lobten die Ansprache des Revolutionsführers, in der er scharfe Kritik an der Uno äußerte. Auch die Schweiz war ein Thema, allerdings am Rande der Versammlung.

HB TRIPOLIS. Allerdings mahnten sie an, Gaddafi solle seinen Reformeifer doch zunächst einmal im eigenen Land ausleben, wo es weder Demokratie noch funktionierende staatliche Institutionen gebe.

„Zum ersten Mal hat jemand bei den Vereinten Nationen für die mehr als vier Mrd. Menschen gesprochen, denen diese Organisation eigentlich dienen sollte“, schrieb die libysche Tageszeitung „Al-Jamahiria“. „Gaddafi ist das Weltgewissen“, hieß es in einer SMS, die von der libyschen Mobilfunkgesellschaft Libyana nach der Rede an 6,2 Mio. Handybesitzer gesendet wurde.

Der im Exil lebende frühere Führer der libyschen Muslimbrüder, Salah al-Schalwi, sagte der Website „Libya al-Youm“: „Er hat zweifellos etwas ausgesprochen, was viele Völker in der Dritten Welt bewegt.“ Die ungerechten Strukturen der UN, die Gaddafi kritisiert habe, seien aber auch in Libyen Alltag. Die von dem seit 40 Jahren amtierenden Staatschef propagierte direkte Demokratie sei zu einer Worthülse geworden. Das libysche Volk habe jedes Vertrauen in den Staat verloren.

Am Rande der Generaldebatte sprach wegen der Libyen-Affäre unter Druck geratene Schweizer Bundespräsident Hans Rudolf Merz erneut beim libyschen Staatschef vor. Die libysche Nachrichtenagentur JANA meldete am Donnerstag, Merz habe Gaddafi am Mittwochabend in New York aufgesucht und ihm versichert, dass die Schweiz eine „Entwicklung der bilateralen Beziehungen zwischen beiden Staaten auf der Basis von gegenseitigem Respekt wünscht“. Was Gaddafi in dem Gespräch zum Schicksal der beiden Schweizer Geschäftsleute sagte, die seit dem vergangenen Jahr in Libyen festgehalten werden, berichtete JANA nicht.

Merz hatte am 20. August nach Gesprächen mit der libyschen Führung erklärt, die beiden Geiseln, die nach einem Streit um die Festnahme von Gaddafis jüngstem Sohn Hannibal in Genf unter Arrest gestellt worden waren, könnten binnen weniger Tage in die Schweiz zurückkehren. Dies hätten ihm die Libyer zugesichert. Die beiden Geschäftsleute konnten jedoch, obwohl sich Merz im Namen der Schweiz für die Festnahme entschuldigt hat, bislang nicht ausreisen.

Die libyschen Behörden werfen den zwei Schweizern vor, sie hätten gegen die Visabestimmungen des Landes verstoßen. Ihre Festnahme wird jedoch als Vergeltungsaktion für den Fall Hannibal interpretiert. Hannibal Gaddafi und seine Ehefrau waren im Juli 2008 unter dem Verdacht der Körperverletzung in einem Genfer Hotel vorübergehend festgenommen worden. Sie sollen zwei arabische Hausangestellte geschlagen haben. Der Fall hatte Vater Gaddafi damals so erbost, dass er bei den Vereinten Nationen einen Antrag auf Auflösung der Schweiz stellte.

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