UNO fordert Hilfe
Rennen gegen die Zeit am Horn von Afrika

Die katastrophale Dürre in Teilen Afrikas führt inzwischen zu massiven Spendenaufrufen. Es gehe darum Menschenleben zu retten, heißt es von den Vereinten Nationen. Auch Deutschland verdoppelt seine Hilfen.
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Rom Die Vereinten Nationen haben zu „massiven“ Hilfen für die Hungernden am Horn von Afrika aufgerufen. Der Chef UN-Organisation für Ernährung und Landwirtschaft (FAO), Jacques Diouf, sagte am Montag bei einem Krisentreffen in Rom, es gehe darum, Menschenleben zu retten. Die Weltbank sagte mehr als 500 Millionen Dollar (348 Millionen Euro) für die Hungernden zu, die Bundesregierung verdoppelte ihre Hilfen auf insgesamt 30 Millionen Euro. 

Die „katastrophale“ Dürre verlange „massive und dringende internationale Hilfe“, sagte FAO-Generalsekretär Diouf. Frankreichs Landwirtschaftsminister Bruno Le Maire warnte, der Hunger werde „der Skandal des Jahrhunderts“, wenn nicht die notwendigen Maßnahmen getroffen würden. Das FAO-Treffen sei „eine Frage von Leben und Tod für zehntausende Menschen“. 

Die Chefin des Welternährungsprogramms (WFP), Josette Sheeran, sagte, die Not der Kinder in Somalia sei „das Schlimmste, was ich je gesehen habe“. In den Flüchtlingslagern habe sie Frauen getroffen, deren Kinder in ihren Armen gestorben seien. Andere hätten ihre Babys auf der Flucht zurückgelassen und die „entsetzliche Entscheidung“ treffen müssen, nur die stärksten Kinder zu retten. Ab Dienstag will das WFP ihren Angaben zufolge eine Luftbrücke für Kinder in Mogadischu, im Osten Äthiopiens und im Norden Kenias einrichten. 

Auch UNICEF-Direktor Anthony Lake sprach von einer „Hungersnot der Kinder“. In Somalia, Äthiopien, Kenia und Dschibuti seien bereits über 2,3 Millionen Kinder akut mangelernährt. Über 500.000 von ihnen seien so ausgezehrt, dass nur eine sofortige Behandlung ihr Leben retten könne. Die Leiterin der FAO-Nothilfeprogramme in Afrika, Cristina Amaral, sagte der Nachrichtenagentur AFP, im 21. Jahrhundert eine Hungersnot ausrufen zu müssen, sei „etwas Unmoralisches“. Die Geberländer müssten jetzt Geld für die Soforthilfe, aber auch Mittel für langfristige Hilfe zur Verfügung stellen. 

Nach Angaben von UN-Vertretern in Rom spendete die Weltgemeinschaft seit einem ersten Hilfsappell im November 2010 rund eine Milliarde Dollar (696 Euro). Bis zum Jahresende werde aber noch eine weitere Milliarde gebraucht. 

Deutschland und EU helfen

Die Bundesregierung erhöhte ihre Hilfen von gut 15 Millionen auf über 30 Millionen Euro, wie Bundesentwicklungsminister Dirk Niebel (FDP) ankündigte. Die EU habe ihre Hilfen zudem auf 160 Millionen Euro verstärkt. Deutschland sei daran mit 20 Prozent beteiligt. Es gehe darum, „so viele Menschenleben wie möglich zu retten“, erklärte der Minister. 

Die Weltbank will mehr als 500 Millionen Dollar (348 Millionen Euro) an Hilfen für die von der Dürre betroffenen Regionen bereitstellen. Zwölf Millionen Dollar sollen in die Soforthilfe für die vom Hungertod bedrohten Menschen fließen, wie Weltbankpräsident Robert Zoellick ankündigte. Der Großteil des Geldes soll jedoch in längerfristige Projekte investiert werden. 

Vor dem Krisentreffen forderten auch zahlreiche Musiker und Schauspieler eine Verstärkung der Hilfsanstrengungen. Die Staaten müssten in Rom ihre Hilfszusagen bekanntgeben und das Geld „ohne Aufschub und ohne Umschweife“ bereitstellen, hieß es in einer Erklärung, die unter anderem von dem irischen Sänger Bob Geldof, dem britischen Regisseur Stephen Fry und den deutschen Schauspielern Jana Pallaske und Michael Mittermeier unterzeichnet wurde. Es sei „unvorstellbar, dass 2011 jemand noch an Hunger sterben kann“.

 

Agentur
dapd 
DAPD Deutscher Auslands-Depeschendienst GmbH / Nachrichtenagentur

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