Uno-Generalsekretär reist in Katastrophengebiet
Appelle prallen an Birmas Militärjunta ab

Die birmanische Militärregierung scheint ihre ablehnende Haltung gegenüber den Vereinten Nationen allmählich abzuschwächen. Sie genehmigte Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon einen Besuch im vom Zyklon „Nargis“ verwüsteten Irrawaddy-Delta. Gleichzeitig dürfen ausländische Helfer noch immer nicht ins Land. Dabei wird die Lage der Überlebenden immer dramatischer.

HB RANGUN/NEW YORK. Auch zweieinhalb Wochen nach dem verheerenden Sturm trotzt Birmas Militärjunta internationalem Druck, mehr ausländische Helfer für Millionen Betroffene ins Land zu lassen. Die Uno geht davon aus, dass Lebensmittel von außerhalb nicht einmal ein Drittel der 750 000 Menschen erreichen, die am meisten Hilfe benötigen. Werde dort nicht schnell geholfen, drohe Tausenden Kindern binnen Wochen der Tod.

Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon kündigte unterdessen für diese Woche eine Reise nach Birma an. Bislang hatte die Junta jeglichen Kontakt mit Ban abgelehnt. Ob Ban auch den birmanischen Staatschef Than Shwe treffen wird, war zunächst unklar.

Bislang gehen die regierenden Generäle von mindestens 134 000 Toten und Vermissten aus. Bis zu 2,5 Millionen Menschen wurden obdachlos. Die Zahl der Toten könnte Experten zufolge dramatisch steigen, wenn die Junta ausländische Hilfe weiterhin nur tröpfchenweise ins Land lässt. Die seit 46 Jahren herrschenden Militärs haben wiederholt erklärt, sie hätten die Lage im Griff. So weigerte sich Juntachef Than Shwe bislang, mit Uno-Generalsekretär Ban auch nur zu telefonieren. Ban hatte eine Geberkonferenz sowie einen gemeinsamen Koordinator der Uno und der Asean-Staaten vorgeschlagen, um die Hilfslieferungen zu überwachen.

Der britische Premierminister Gordon Brown warf den Militärs unterdessen eine unmenschliche Haltung vor. Seine Regierung erwäge daher, Hilfsgüter aus der Luft abzuwerfen. „Wir schließen nichts aus, weil wir wollen, dass die Hilfe das Volk direkt erreicht.“ Gleichwohl äußerte der britische Asienminister Mark Malloch-Brown Zuversicht, die Militärs durch Gespräche zum Einlenken bewegen zu können. Es werde an einer Lösung unter Leitung der Vereinten Nationen und asiatischer Länder gearbeitet, sagte er Reuters am Sonntag.

Vor der Küste Birmas kreuzen amerikanische und französische Kriegsschiffe, um die notleidende Bevölkerung zu versorgen. Beide Länder machen den Start von Hilfsflügen aber von der Zustimmung der Militärs abhängig.

Trotz aller Zuversicht schloss Malloch-Brown aus, dass Birma eine größere Anzahl ausländischer Helfer ins Land lassen wird. Diesen Eindruck gewann auch der EU-Vertreter Bernard Delpuech bei einer für Diplomaten arrangierten Reise in das Katastrophengebiet. Der die ausländischen Vertreter begleitende birmanische Minister sei bei jeder Gelegenheit gebeten worden, mehr Hilfe ins Land zu lassen. Die Antwort sei stets die gleiche gewesen: „Ja, sie sind dazu bereit - aber sie wollen keine Leute, durch die neue Probleme entstehen.“ Die Generäle hätten vor den Diplomaten zwar nichts verborgen, wohl aber die gezeigten Plätze sorgfältig ausgewählt.

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