Uno

Keine Heilige Kuh, eher ein Rindvieh

Die Uno gilt bis heute als Instanz des Guten und als Wertverteidiger der Internationalen Gemeinschaft. Doch unter ihrem Deckmantel wird geraubt und vergewaltigt. Sie ist längst mehr Problem als Lösung. Ein Gastbeitrag.
Die Internationale Gemeinschaft gilt vielen als heilige Kuh, dabei ist sie eher ein Rindvieh. Quelle: dpa
Rindvieh statt heilige Kuh

Die Internationale Gemeinschaft gilt vielen als heilige Kuh, dabei ist sie eher ein Rindvieh.

(Foto: dpa)

Wer Werte in der Weltpolitik fordert, beruft sich fast immer auf „die Internationale Gemeinschaft“. Das klingt fabelhaft weltoffen, weltbürgerlich und hochmoralisch. Keiner weiß, keiner soll wissen, was genau inhaltlich darunter zu verstehen ist.

Wer dazugehört, muss gar nicht benannt werden. Allein ein Signal ist für die gedachten Empfänger entscheidend: „Wenn du zustimmst oder gar mitmachst, bist du dabei. Du schwimmst im Hauptstrom.“

Im Klartext: Die Vokabel „Internationale Gemeinschaft“ ist demnach nichts Anderes als, neudeutsch, politisches „Mainstreaming“. Früher sprach man eher vom „Mitläufertum“. Das wiederum ist eine gar schreckliche Vokabel. Sie erinnert an das Nazi-Drittreich und schlägt den Bogen zur Gegenwart, also zu uns.

Der Historiker Prof. Dr. Michael Wolffsohn schreibt für das Handelsblatt Gastbeiträge als Professor Tacheles.
Professor Tacheles

Der Historiker Prof. Dr. Michael Wolffsohn schreibt für das Handelsblatt Gastbeiträge als Professor Tacheles.

Wer in und mit der Internationalen Gemeinschaft denkt und fühlt, gehört zum Hauptstrom der Guten. Wenn er oder sie dabei nicht mitmacht oder auch nur mitläuft, mitdenkt, mitfühlt, gehört eben nicht zu den Guten. Er entzieht sich selbst der Gemeinschaft, und er ist auszuschließen. Wer will das? Kaum jemand, denn schon die alten Griechen wussten, dass der Mensch ein „zoon politikon“ ist, will sagen: ein soziales Wesen.

Das bedeutet:  Der Mensch an sich hat „Isolationsangst.“ So heißt das im modernen Fachjargon. Wer will, wer kann isoliert sein? Die Wenigsten. Das ist verständlich, denn wir sind eben alle Menschen, also solche schwach und fürchten, isoliert zu sein.

Die gefährlichsten Krisengebiete der Welt
Syrien und Irak
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In den Konflikten in Syrien und im Irak gehört die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) zu den stärksten Kriegsparteien. Sie beherrscht in beiden Ländern große Gebiete, in denen sie ein „Kalifat“ errichtet hat. Im syrischen Bürgerkrieg bekämpfen sich zudem das Regime und seine Gegner. Die Armee ist mit starker Hilfe von Kämpfern aus dem Iran, von der libanesischen Schiiten-Miliz Hisbollah sowie von der russischen Luftwaffe auf dem Vormarsch. Die moderate Opposition wird vom Westen unterstützt.

Ukraine
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Bei den Kämpfen zwischen ukrainischen Regierungseinheiten und prorussischen Separatisten im Unruhegebiet Donbass starben seit April 2014 mehr als 9000 Menschen. Unter Vermittlung von Kanzlerin Angela Merkel und Kremlchef Wladimir Putin entstand im Februar 2015 in Minsk ein Friedensplan, der etwa eine Waffenruhe und politische Schritte vorsieht. Keiner der 13 Punkte wurde bisher vollständig umgesetzt. Beobachter fürchten, dass aus dem Krieg ein „eingefrorener“ Konflikt werden könnte. Wegen der russischen Ukraine-Politik und der Annexion der Krim hat der Westen Wirtschaftssanktionen verhängt.

Nigeria
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Die islamistische Terrorgruppe Boko Haram will in Nigeria und angrenzenden Gebieten der Nachbarländer Kamerun, Tschad und Niger einen „Gottesstaat“ errichten, mit strengster Auslegung des islamischen Rechts, der Scharia. Im Nordosten Nigerias verübt die Gruppe fast wöchentlich blutige Anschläge und Angriffe. Seitdem die sunnitischen Fundamentalisten im März der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) einen Treuschwur leisteten, firmiert Boko Haram als deren westafrikanischer Ableger.
Im April 2014 wurde der Name Boko Haram mit der Entführung von mehr als 200 überwiegend christlichen Schülerinnen aus dem Ort Chibok weltweit bekannt. Die Gruppe hat seit 2009 Schätzungen zufolge 14.000 Menschen getötet. Rund 2,5 Millionen Menschen sind vor ihrer Gewalt geflohen.

Libyen
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Fünf Jahre nach den ersten Protesten gegen den später gestürzten und getöteten Diktator Muammar al-Gaddafi ist Libyen ein sogenannter „failed state“ (gescheiterter Staat). Es stehen sich eine islamistische und eine weltliche Führung gegenüber. Die Einsetzung einer von den UN vermittelten Einheitsregierung ist bislang am Widerstand beider Seiten gescheitert. Das lässt Platz für Dschihadisten. Der Ableger der Terrormiliz IS in dem Land wird immer stärker. Libyen gilt als Rückzugsgebiet für IS-Kader aus Syrien und dem Irak.

Spratly-Inseln im Südchinesischen Meer
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Im Südchinesischen Meer streitet sich China mit einer ganzen Reihe seiner Nachbarn um Territorien: Die Volksrepublik beansprucht 90 Prozent des 3,5 Millionen Quadratmeter großen Gebietes, darunter Inseln und Riffe, die teils mehr als 800 Kilometer von der chinesischen Küste entfernt liegen. Dagegen protestieren unter anderem Vietnam und die Philippinen. Zusätzliches Konfliktpotenzial birgt die Einmischung der USA, die vergangenes Jahr mit der Durchfahrt eines Kriegsschiffes und Überflügen von B52-Bombern chinesischen Unmut provozierten. Washington will damit unterstreichen, dass sie das Seegebiet für international hält.

Nordkorea
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Nordkoreas Raketen- und Atomprogramm wird in der Region, aber auch darüber hinaus als Bedrohung angesehen. Sollte die als unberechenbar geltende Diktatur in den Besitz atomarer Mittelstreckenraketen kommen, wäre nicht nur Südkorea unmittelbar bedroht. Auch ist Nordkorea dabei, Interkontinentalraketen zu entwickeln. Als das Land zuletzt mit einer Rakete einen Satelliten in den Orbit schoss, löste das weltweit Empörung aus. Die internationale Gemeinschaft sieht in solchen Raketenstarts verdeckte Tests für das Atomwaffenprogramm.

Afghanistan
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Der Konflikt, von dem die Welt gehofft hatte, sie könne ihn nun der afghanischen Regierung überlassen, flammt wieder voll auf. Die Taliban kontrollierten jetzt so viel Territorium wie seit 2001 nicht mehr, hieß es jüngst in einem US-Bericht. Dutzende Bezirke sind umkämpft. Opferzahlen schießen in die Höhe. In 2015 starben allein mehr als 7000 Polizisten und Soldaten – Tausende Zivilisten wurden getötet oder verwundet. Ein instabiles Afghanistan ist umso gefährlicher, als auch der IS nun versucht, sich dort auszubreiten. Nach Schätzungen haben sie bisher 1000 bis 3000 Kämpfer.

Folglich sind wir Mitläufer, und die Grundtatsache des menschlichen Seins wird politisch so oder so gebraucht. Mal gebraucht, mal missbraucht.

Für die Internationale Gemeinschaft, fürs Gute an sich also, wird sie gebraucht und – versteht sich – nicht missbraucht. Basta. Eine Ergänzungs- oder Ersatzvokabel für die International Gemeinschaft sind die „Vereinten Nationen“, ist die Uno. Sowohl Uno als auch und erst recht die Internationale Gemeinschaft sind bei uns Heilige Kühe.

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