Uno-Menschenrechtskommissarin Pillay
Der undankbarste Job der Welt

Als Uno-Hochkommissarin für Menschenrechte hat Navi Pillay keinen einfachen Job. Denn 60 Jahre nach der Erklärung der allgemeinen Menschenrechte werden Menschen gequält, zerstören Konflikte ganze Landstriche. Die Südafrikanerin, die Unterdrückung am eigenen Leibe erfahren hat, kann nur mit einem Mittel gegen das Unrecht kämpfen. Mit Worten.

GENF. Aus ihrem Büro im Genfer Palais Wilson genießt Navi Pillay einen Blick auf das Wasser des Lac Leman und den Montblanc – eine Postkartenidylle. Doch die südafrikanische Uno-Hochkommissarin für Menschenrechte kann sich kaum an dem Panorama erfreuen. Denn 60 Jahre nach Verkündung der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte am 10. Dezember 1948 bietet die Welt ein Bild des Schreckens: Menschen quälen und unterdrücken einander, Konflikte zerstören die Fundamente etlicher Staaten. Zumal in Pillays Heimatkontinent Afrika treten die Mächtigen die Menschenrechte mit Füßen.

„Es klingt zwar wie ein Wunschtraum, aber wir müssen die Schwierigkeiten bei der Förderung der Menschenrechte überwinden“, fordert die ranghöchste Verteidigerin der unveräußerlichen Rechte im Uno-System. Genau mit diesem Optimismus hat die Juristin in den ersten drei Monaten ihrer vierjährigen Amtszeit viele Kämpfer für die Menschenrechte beeindruckt. Vor allem aber weiß Pillay, wovon sie spricht. Als Angehörige der tamilischen Minderheit spürte sie in ihrem Geburtsland Südafrika Diskriminierung am eigenen Leib. „Pillays bittere Erfahrung als Opfer des Apartheidregimes verschafft ihr als Hochkommissarin die nötige Glaubwürdigkeit“, unterstreicht Peter Splinter von Amnesty International. Doch schon vor ihrem Amtsantritt im September 2008 wusste Pillay: Sie hatte einen der undankbarsten Jobs der Weltorganisation akzeptiert. Als Uno-Hochkommissarin verfügt sie über keine formale Macht. Sie und ihre 1 000 Mitarbeiter können nur mit Worten protestieren. Bei vielen Mächtigen rufen die Appelle aus Genf jedoch nicht mehr als ein Achselzucken hervor.

So fordert Pillay ein sofortiges Ende der Vergewaltigungen im Konflikt im Osten der Demokratischen Republik Kongo: „Alle bewaffneten Gruppen, kongolesische wie ausländische, benutzen Vergewaltigung als Kriegswaffe“, klagte sie. Mitarbeiter Pillays prangern auch die brutale Repression sudanesischer Oppositioneller durch die Regierung an: Die Experten erteilten den Sudanesen zudem Ratschläge für einen schonenden Umgang mit dem politischen Gegner. Doch hat das Hochkommissariat die Mächtigen im Sudan oder im Kongo bekehrt? „Die Verantwortlichen scheren sich leider nicht viel um die Forderungen aus Genf“, sagt ein Uno-Funktionär.

Ebenso muss Pillay gegenüber den mächtigen Uno-Mitgliedern Russland und China auf der Hut sein. Moskau und Peking wollen durch den Genfer Menschenrechtsrat das Uno-Hochkommissariat kontrollieren. Das Problem: Im Menschenrechtsrat geben die Länder den Ton an, die es mit den Menschenrechten nicht so genau nehmen.

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