Uno-Menschenrechtsrat
Mehr als 6000 Tote im Ukraine-Konflikt

Seit rund elf Monaten wüten im Osten der Ukraine die Kämpfe zwischen Regierungstruppen und prorussischen Separatisten. Mehr als 6000 Menschen kamen nach Uno-Angaben seitdem ums Leben..
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Genf/KiewMehr als 6000 Menschen sind seit Ausbruch des Kriegs in der Ostukraine im April letzten Jahres getötet worden. Die Zahl nannte das Büro des Uno-Hochkommissars für Menschenrechte am Montag in Genf. Allein in den vergangenen Wochen hätten die Gefechte in der Nähe des Flughafens von Donezk und in der Gegend um Debalzewe Hunderte von Zivilisten und Kämpfern das Leben gekostet.

Unü-Menschenrechtskommissar Said Raad al-Hussein beklagte eine „gnadenlose Zerstörung von zivilem Leben und Infrastruktur“ in der Kampfregion, wo prorussische Separatisten gegen ukrainische Regierungstruppen kämpfen. Auch verwies er auf „glaubhafte Berichte“, dass seit Dezember ständig schwere Waffen und ausländische Kämpfer aus Russland ins Rebellengebiet kommen. Das habe es den Separatisten erlaubt, neue Offensiven in einigen Gegenden zu eröffnen.

Dem Bericht zufolge gab es willkürliche Verhaftungen und Gewalt, die vor allem auf die bewaffneten Gruppen zurückgehen. In manchen Fällen seien aber auch die ukrainischen Strafvollzugsbehörden verantwortlich. Die Vertreibung von einer Million Menschen habe auch das Risiko für Frauen steigen lassen, Opfer von Sexhändlern zu werden. Al-Hussein sagte, viele Zivilisten blieben in den umkämpften Gebieten, „weil sie um ihr Leben fürchten, wenn sie versuchen, zu entkommen“.

Die Kämpfe hatten nach dem Umsturz in der Ukraine vom Frühjahr 2014 begonnen. Russland bestreitet, die Rebellen militärisch zu unterstützen. Mitte Februar wurde in Minsk unter Mitwirkung Moskaus ein Waffenstillstand für das Kampfgebiet in der Ostukraine vereinbart, der nun offenbar auch nach und nach umgesetzt wird.

Allerdings beklagt die Ukraine nach wie vor Verstöße. Militärsprecher Andrej Lyssenko sagte am Montag, im Verlauf des vorangegangenen Tages sei ein Soldat getötet worden, vier weitere verletzt. Die Umstände ließ er offen. Doch nutzten die Rebellen immer noch Waffen, die nach dem Abkommen eigentlich bereits hätten abgezogen werden müssen, sagte Lyssenko.

Der ukrainische Präsident Petro Poroschenko brachte einen formalen Antrag für eine internationale Friedensmission im Osten seines Landes auf den Weg. Dieser richte sich an die Vereinten Nationen und an die Europäische Union, erklärte Poroschenkos Büro in Kiew. Details zur gewünschten Zusammensetzung oder zum Stationierungstermin wurden nicht bekanntgegeben. Poroschenko hatte die Idee bereits vor einigen Tagen vorgetragen, aber wenig Unterstützung bekommen. Russland lehnt den Vorschlag ab.

US-Außenminister John Kerry sprach in Genf mit seinem russischen Kollegen Sergej Lawrow unter anderem über die Krise in der Ukraine, wie er selbst anschließend mitteilte. Kerry hatte vergangene Woche für Missmut in Moskau gesorgt, weil er der russischen Regierung vorwarf, sie habe ihm ins Gesicht gelogen. Später hieß es aus US-Regierungskreisen, Kerry habe Lawrow nicht explizit beschuldigt.

Agentur
ap 
Associated Press / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Uno-Menschenrechtsrat: Mehr als 6000 Tote im Ukraine-Konflikt"

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  • SPIEGEL..Zitat: Während der Westen versucht, Russland zu isolieren, stellt sich China an die Seite Wladimir Putins. Hinter den Kulissen arbeiten Moskau und Peking bereits an Plänen für ein militärpolitisches Bündnis - eine Allianz, die die Kräfteverhältnisse auf der Welt dramatisch verändern kann. Zitat Ende
    Ich denke, China liegt vollkommen richtig: „Der Westen sollte sein Null-Summen-Spiel aufgeben und die tatsächlichen Sicherheitsbedenken von Russland in seine Überlegungen einbeziehen.“
    So sehen es auch die Experten der SPD-nahen Friedrich-Ebert-Stiftung, die sehr plausibel beschreiben, warum der Westen an der Ukraine-Krise schuld ist. http://www.ipg-journal.de/kommentar/artikel/putin-reagiert-560/
    Trotzdem scheint auch die gesamte SPD-Führung nun in Russland „das Reich des Bösen“ zu sehen!
    Ist es bei Dr. Merkel anders? Fragte man deshalb schon am 16.10.2012: http://spiegelkabinett-blog.blogspot.de/2012/10/merkels-werdegang-einfach-nur.html
    Sollte man diese Frage nicht der “gesamten” Führungsriege der Gro Ko stellten?

  • Wenn man Bataillione wie Asow als "Regierungstruppen" bezeichnet die von Oligarchen besoldet werden, dann weiß man um was für eine Regierung es sich handelt. Vergessen wurden die fast 1 Million Flüchtlinge welche Russland aufnahm und die sind sicher nicht vor den Gräueltaten prorussischer Seperatisten nach Russland geflohen.
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    Der Beschuss einer Millionenstadt wie Donezk mit Artillerie und Bomben durch Kiews "Regierungstruppen"ist auch nichts anderes als ein Kriegsverbrechen was wohl genau so unter den Tisch landet wie Maidan Morde, Odessa Massaker und MH17.
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    Dieses Weißwaschen von Kiew, ob die totale Unterdrückung anderer Meinungen als Regime konforme, der Bann russischer Kunst und Kultur,der Entzug von Akkreditierungen von Journalisten, die Einstellung von Renten und sozialen Zahlungen, sowie Lohn und Gehalt an Bewohner der Ostukraine, das zeugt von gigantischen Menschenverachtung.

  • Die über 6000 Toten in der Ukraine sind auch das Ergebnis der verfluchten Expansions Politik der EU und der Nato wohl auf Betreiben der USA

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