Uno-Mission in Mali
„Wir brauchen Deutschland auch in Afrika“

Die Uno will den Deutschen die Entsendung von Soldaten nach Afrika schmackhaft machen. Aus Mali schickt sie allerdings gerade zwei deutsche „Transall“-Transporter zurück - gefragt ist dort etwas anderes.
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New YorkDie Vereinten Nationen haben Deutschlands Rolle bei Uno-Friedenseinsätzen gelobt - und zugleich um eine stärkere Beteiligung geworben. „Wir brauchen Deutschland auch in Afrika“, sagte Vize-Generalsekretär Jan Eliasson am Dienstag der Deutschen Presse-Agentur in New York. Zugleich verteidigte er, dass die Uno in Mali die deutschen „Transall“-Transporter nicht länger einsetzen wollen.

In Mali hat die Bundeswehr seit Anfang 2013 im Uno-Auftrag für den Lufttransport von Truppen und Material zwei Transall-Maschinen und rund 80 Soldaten eingesetzt. Deutschland beteiligt sich darüber hinaus mit gut 170 Soldaten an einer von der EU auf den Weg gebrachten Ausbildungsmission in dem westafrikanischen Wüstenstaat.

Die beiden Transall-Transportmaschinen kommen Ende Juni zurück nach Deutschland. Die Uno will sie nicht mehr benutzen. Eliasson sagte dazu, die Vereinten Nationen seien dankbar, dass Deutschland die Flugzeuge bereitgestellt habe.

„Aber wir sind jetzt in einer Phase, in der der strategische Lufttransport nicht mehr Priorität hat. Jetzt geht es darum, innerhalb des Landes entlegene Regionen zu erreichen. Die C-160 ist dafür nicht so gut geeignet, zumal das Flugzeug Probleme mit der extremen Hitze bekommen könnte.“ Wichtig sei jetzt kleineres Fluggerät, etwa Hubschrauber.

Die Deutschen seien für Trainingsmissionen aber weiter hochwillkommen, sagte er. Malis Armee brauche dringend Ausbilder. Grundsätzlich brauchen überdies nach seinen Worten alle Uno-Missionen Experten, gerade Mediziner und Ingenieure.

Alle Regionen sollen sich an Krisenlösungen beteiligen

Weiter sagte der Vize-Generalsekretär: „Wir sind für jeden Beitrag dankbar, gerade auch den Deutschen. Deutschland hat viele Fähigkeiten, die für uns sehr wichtig sind. Wir sind dankbar für jede Unterstützung und rechnen damit, weiter auf Deutschland zählen zu können.“ In der Woche zuvor hatte Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) der Uno mehr Engagement in Aussicht gestellt.

Er habe Verständnis, dass die deutsche Öffentlichkeit zurückhaltend bei der Entsendung von Soldaten sei. „Wir respektieren das. Aber die Deutschen sollten auch wissen, dass eine Uno-Mission anders als jeder andere militärische Einsatz ist.“ Es gehe darum, dass die Weltgemeinschaft Krisen löst. Daran sollten alle Regionen beteiligt sein.

„Wir bitten gerade oft afrikanische Staaten um Soldaten. Aber bei Logistik und Kommunikation gibt es manchmal Probleme und das ist etwas, was die Europäer und gerade die Deutschen sehr gut können.“ Er sei dankbar, dass die Deutschen sich heute sehr viel mehr an Uno-Missionen beteiligen würden als noch vor 15 Jahren.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Neben fehlenden Kapazitäten ist besonders der fehlende politische Wille der meisten afrikanischer Präsidenten problematisch, sich in Konflikten unter dem Dach der Afrikanischen Union (AU)oder der jeweiligen regionalen Wirtschaftsgemeinschaften zu engagieren und Truppen bereitzustellen. Neben dem Souveränitätsverzicht über die eigenen Truppen fürchten nicht wenige Staatslenker, dass sich derartige Missionen auch einmal gegen sie selbst richten könnten.Immer noch blockieren deshalb unterschiedliche Vorstellungen und Interessen der AU-Mitgliedsstaaten die Funktionsfähigkeit der Afrikanischen Friedens- und Sicherheitsarchitektur (APSA). Die Afrikaner müssen vor allem befähigt werden, Krisen selbstständig zu lösen und dabei die Fülle an Konfliktlösungsinstrumenten einzusetzen. 95 Prozent der Einsätze werden extern finanziert. Mehr afrikanische Eigenverantwortung lässt sich so jedenfalls nicht erreichen. Besonders die afrikanischen Länder, die bereits seit Jahren hohe Rohstofferlöse erzielen (z.B. Angola, Nigeria, Äquatorialguinea, Kamerun und mindestens 10 weitere, müssten sich stärker beteiligen.
    Volker Seitz, Botschafter a.D. und Buchautor

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