Uno-Polizei stürmt von Serben besetztes Gericht
Lage im Norden des Kosovo eskaliert

Neue Unruhen im Kosovo: Starke Polizeiverbände der Uno-Verwaltung (UNMIK) und Soldaten der internationalen Schutztruppe KFOR haben ein von Serben besetztes Kreisgericht in der Stadt Mitrovica gestürmt. Vorübergehend kam es zur kriegsähnlichen Szenen.

HB PRISTINA. Einen Monat nach der Unabhängigkeitserklärung des Kosovos hat es im Norden des Landes am Montag erstmals schwere Auseinandersetzungen zwischen Angehörigen der serbischen Minderheit und Sicherheitskräften gegeben. In der Stadt Mitrovica kam es zu kriegsähnlichen Szenen: Handgranaten explodierten, Molotowcocktails flogen, Gewehrsalven peitschten durch die Luft.

Die Polizeiverbände der Uno-Kosovo-Verwaltung (UNMIK) standen tausenden aufgebrachten Serben gegenüber und mussten sich vollständig zurückziehen. Erst Soldaten der internationalen Schutztruppe Kfor konnten die Lage wieder unter Kontrolle bringen. Die Bilanz am Abend: Fast 150 Verletzte – 63 UNMIK-Polizisten, 8 Kfor-Soldaten, rund 70 Serben – drei Dutzend vorübergehend festgenommeneund Serben und zahlreiche demolierte Einsatzfahrzeuge.

Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon bedauerte den Ausbruch der Gewalt ebenso wie die Europäische Union und Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD). Dieser sagte, die Gewaltakte serbischer Demonstranten seien „inakzeptabel und durch nichts zu rechtfertigen“. Ban appellierte in New York an alle Beteiligten, Ruhe und Zurückhaltung zu üben und zu einem konstruktiven Dialog zu finden. „Der Generalsekretär erwartet von allen Parteien, dass sie auf Aktionen oder Äußerungen verzichten, die weitere Gewalt anstacheln oder provozieren könnten“, sagte Uno-Sprecherin Michèle Montas.

Die Ausschreitungen in Mitrovica waren nach der gewaltsamen Räumung des Kreisgerichts entbrannt, das seit Freitag von Serben besetzt war. UNMIK-Verbände führten 53 Serben in Handschellen ab, denen schnell Hunderte von Landsleuten zu Hilfe kamen. Die Menge befreite 21 Festgenommene aus den Polizeitransportern und attackierte dann die Uno-Polizisten, die das Gericht abgeriegelt hatten. Die übrigen 32 wurden nach Pristina gebracht und am Nachmittag wieder freigelassen. Sie sollen sich auf freiem Fuß vor Gericht verantworten.

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