Uno-Truppe
Italien soll im Libanon das Sagen bekommen

Die Bemühungen um eine rasche Aufstellung einer Uno-Friedenstruppe im Libanon gehen weiter. Bislang hat aber kaum ein europäisches Land eine definitive Entscheidung getroffen. Es zeichnet sich aber zumindest ab, welcher Staat die multinationale Einheit anführt. Italien ist im Gespräch und zeigt Interesse. Der Wunsch kommt aus der Krisenregion selbst.

HB JERUSALEM. Der israelische Ministerpräsident Ehud Olmert habe in einem Telefonat mit seinem italienischen Kollegen Romano Prodi nicht nur den Wunsch geäußert, dass Italien die Truppe führen soll, sondern auch angeregt, dass italienische Soldaten die Grenze zwischen dem Libanon und Syrien überwachen. Dies teilte Olmerts Büro am Sonntagabend in Jerusalem mit. Bei einer Kabinettssitzung habe Olmert außerdem betont, dass der Uno-Truppe keine Länder ohne diplomatischen Beziehungen zu Israel angehören sollten.

Bislang war Frankreich für die Führung der Uno-Truppe im Gespräch, die gemeinsam mit der libanesischen Armee im Südlibanon neue Kämpfe zwischen der radikal-islamischen Hisbollah-Miliz und der israelischen Armee unterbinden soll. Die Regierung in Paris hatte die Uno jedoch mit der Ankündigung enttäuscht, zunächst lediglich 200 zusätzliche Soldaten in den Nahen Osten zu entsenden. Mittlerweile hat Frankreich die Zahl jedoch verdoppelt.

Das italienische Kabinett beschloss am Freitag, ebenfalls Soldaten zu schicken, die Zahl ist aber noch unklar. Das Land wäre auch bereit, die Führungsrolle zu übernehmen, hieß es. Prodi telefonierte am Sonntag auch mit dem libanesischen Ministerpräsidenten Fouad Siniora. Dabei habe Prodi von 3 000 Soldaten gesprochen, hieß es in Regierungskreisen in Beirut. Das Engagement Italiens sei ausgeprägter als bei anderen Ländern, sagte ein libanesischer Regierungsvertreter. Weitere Gespräche mit den Regierungen Italiens und Frankreichs seien aber nötig.

Der spanische Ministerpräsident José Luis Rodríguez Zapatero hat sich am Sonntag mit Bundeskanzlerin Angela Merkel und Prodi über eine europäische Beteiligung an der internationalen Truppe abgestimmt. Spanien sei bereit, zwischen 700 und 800 Soldaten zu der Truppe beizusteuern, hieß es aus Madrid. Nach Angaben aus Diplomatenkreisen in der spanischen Hauptstadt soll sich am Mittwoch ein Treffen in Brüssel mit der europäischen Beteiligung an der Uno-Truppe befassen.

Die Friedenstruppe von 15 000 Mann soll auf der 2 000 Mann starken bisherigen Uno-Truppe im Libanon, Unifil, aufbauen. Sie ist neben der seit rund einer Woche dauernden Waffenruhe Kern einer Uno-Resolution. Der Waffenstillstand hatte einen 34-tägigen Krieg zwischen Israel und der libanesischen Hisbollah-Miliz beendet, bei dem weit mehr als 1 000 Menschen gestorben waren. Die meisten davon waren libanesische Zivilisten.

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