Uno „zutiefst alarmiert“

Syrische Armee startet Gegenoffensive

Mit schwerem Artilleriebeschuss versuchen syrische Regierungstruppen offenbar die Metropole Aleppo zurückzuerobern. Auch von Attacken durch Kampfhubschrauber wird berichtet. Im Ausland wird ein Massaker befürchtet.
Update: 28.07.2012 - 17:44 Uhr 20 Kommentare
Bereit zur Verteidigung: Syrische Rebellen in Aleppo Quelle: AFP

Bereit zur Verteidigung: Syrische Rebellen in Aleppo

(Foto: AFP)

Amman/Beirut/London/München/BerlinIn Syrien haben Regierungstruppen nach Angaben von Oppositionellen die Millionenmetropole Aleppo am Samstag aus der Luft beschossen. Zudem brachte die Armee demnach gepanzerte Fahrzeuge für einen Sturm auf das wirtschaftliche Zentrum des Landes in Stellung. Der Kampf um die größte syrische Stadt könnte zu einer der entscheidenden Schlachten in dem seit 16 Monaten andauernden Konflikt zwischen Präsident Baschar al-Assad und den Rebellen werden. Die USA befürchten ein Massaker. Die von den Flüchtlingsströmen besonders betroffene Türkei rief die internationale Gemeinschaft zum Handeln auf.

Von Hubschraubern aus sei der im Zentrum gelegene Stadtteil Salaheddine beschossen worden, teilte die oppositionelle Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mit. Auch in anderen Vierteln sei es zu schweren Zusammenstößen zwischen Regierungstruppen und Assad-Gegnern gekommen. Drei Rebellen seien in der Nacht zum Samstag getötet worden. Viele der 2,5 Millionen Einwohner Aleppos flüchteten vor den Kämpfen. "Wir leben in einem Kriegsgebiet", sagte ein Mann in seinen Vierzigern, der seine Angehörigen nach Asas in der Nähe der türkischen Grenze in Sicherheit bringen wollte. "Meine Familie und ich fahren immer hin und her, um den Kämpfen aus dem Weg zu gehen. Wir haben Aleppo verlassen, als wir Rauch und Hubschrauber gesehen haben."

Der Schwerpunkt des Aufstandes gegen Präsident Baschar al-Assad lag lange Zeit in den Provinzen. In der vergangenen Woche riefen die Rebellen eine Schlacht um die Hauptstadt Damaskus aus, wo seitdem die Gewalt sprunghaft zugenommen hat. Auch in Aleppo haben sie nach eigenen Angaben und Augenzeugen zufolge die Kontrolle über mehrere Stadtteile an sich gerissen.

Die Armee wolle mit dem Beschuss die Rebellen aus ihren Hochburgen in Aleppo vertreiben, sagten Regierungsgegner am Freitagabend. Zugleich solle ihnen der Nachschub abgeschnitten werden. Die Syrische Beobachtungsstelle zeigte Videoaufnahmen, auf denen zu sehen war, wie Rauch aus Wohnhäusern aufstieg. Zudem waren Gewehrschüsse deutlich zu hören.

Kämpfe auch in anderen Landesteilen
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20 Kommentare zu "Uno „zutiefst alarmiert“: Syrische Armee startet Großoffensive in Aleppo"

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  • @margrit117888

    Die Syrer müssen sich selbst befreien. Da stellt sich erst einmal die Frage was unter Befreiung zu verstehen ist. Ist es eine Befreiung wenn ein Regime à la Saudi-Arabien etabliert wird? Das wahbitische Königreich finanziert doch nicht die Terroristen damit dort eine Demokratie eingeführt wird. Zwar ist das wesentlich liberalere Quatar auch involviert, was, das nehme ich an, darauf zurück zu führen ist, weil die Amis dort einen Stützpunkt haben.
    Syrien ist ein multireligiöser Staat. Ein Vielvölkerstaat könnte man auch sagen. Die Terroristen sind Sunniten. Die machen aber nur etwa 40% der Bevölkerung aus. Der Rest verteilt sich auf Christen, Aleviten, Shiiten u.a.. Unklar ist noch wo die Drusen stehen. Ich habe bisher noch keine Äußerung von Jumblat gehört. Anzunehmen ist aber ehr, das er Assad unterstützt. Assad ist zu wenigsten eins, ein Garant für Religionsfreiheit trotz seiner Anlehnung an den Iran. Aber da gilt wohl ehr das Prinzip, der Nachbar meines Nachbarn ist mein Freund.

  • Es ist schon interessant da unterstützt die Türkei die Rebellen von ihrem Land aus und was macht Ministerpräsident Tayyip Erdogan er fordert arabische Länder und den UN-Sicherheitsrat zur Zusammenarbeit auf um "etwas" zu unternehmen. Ja, gehts noch ?

  • @Tabu
    Danke für die Hintergrundinfos.

    Die Propaganda seitens der USA sind ein sehr guter Kontraindikator. Wer heute "Böse" ist handelt gegen die Interessen der USA. Die Russen und Chinesen haben das zwar schon lange begriffen aber jetzt fangen sie auch an zu handeln.

    Der einzige Kriegstreiber den es in der Welt noch gibt sind die USA.

  • Im Ausland wird ein Massaker befürchtet?

    Naja - ein ganz spezielles Ausland: die Kriegshetzer Clinton und Hague, sowie ihr Papagei Westerwelle.

    Kennen wir das nicht schon?

    Bei Sadam Hussein waren es einsatzbereite Massenvernichtungswaffen.

    Ein Regimechange und 800.000 Tote später waren daraus PLÄNE für den Bau von Massenvernichtungswaffen geworden.

    In Tremseh versuchten die USA eine erfolgreiche Militäraktion gegen die Terroristen in ein "Massaker des Assad-Regimes an Zivilisten" unzulügen.

    Solange, bis die Berichte der UN-Beobachter etwas anderes zeigten.

    Jetzt haben die Befreiungsbomber "Sorgen, dass wir in Aleppo ein Massaker erleben werden".

    Das ist geschickter - da braucht man wenigstens überhaupt nichts zu beweisen.

    Egal - das Obamaregime versucht sich offensichtlich bei blutrünstigen Teilen der US-Bevölkerung vor den Präsidentschaftswahlen noch als erfolgreicher Regimechanger beliebt zu machen.

    Die Zeit drängt.

    Da müssen es notfalls auch "Sorgen" tun, um einen Angriff zu rechtfertigen.

  • Als vor zehn Jahren Bashar al-Assad die Nachfolge
    übernahm,weil der erstgeborene Bruder der auf dieses Ziel hin aufgebaut wurde..(verstarb)fehlte im Text..
    Der Bericht von Zeit online ist von 2000..
    Man mag sich kaum vorstellen,das aus Bashar al-Assad
    der 2001 erstmalig Vater von unterdessen 3 Kindern
    geworden ist,mit einer aufgeklärten politischen Frau
    und Mutter an seiner Seite,zum Monster mutierte..
    Da spielen andere Interessen eine Rolle,die durchgesetzt werden sollen,auf Seiten der Rebellen..

  • Augenarzt scheint er geblieben zu sein:
    http://online.wsj.com/article/SB10001424052748703833204576114712441122894.html
    Wenngleich mit bezweifelbaren Erfolgen, die allerdings nur zu einem bedingten Teil ihm alleine zuzuschreiben sind.

  • http://www.zeit.de/2000/25/200025.assad_.xml/seite-1
    Es wird Zeit für die Kommentatoren,ein wenig tiefer
    zu graben und sich mit der Amtszeit des Vaters
    Hafiz al-Assad zu beschäftigen,bei dessen Tod das Volk
    weinte,obwohl er mit eiserner Hand das Land regierte,
    Islamisten und Muslimbruderschaften das fürchten lehrte..
    Der Westen ging bei ihm ein und aus..ähnlich wie bei
    Gaddafi.Als vor zehn Jahren Bashar al-Assad die Nachfolge
    übernahm,weil der erstgeborene Bruder der auf dieses Ziel
    hin aufgebaut wurde,mußte der Augenarzt der nie ein
    politisches Amt bekleidet hatte,erst nach Syrien
    zurückkehren.Dort entließ er ca.200 Offiziere,die sich
    einer Versöhnung mit Israel entgegenstellten und machte
    sich seinen Onkel Rifa'at al-Assad zum Feind,wo selbst dessen Sohn sich auf die Seite von Bashar schlägt..
    Rifa'at der Onkel mit eigenen Radiostationen ließ verkünden Bashar sei illegal als Präsident nominiert worden und er, Rifa'at, werde in Syrien eine Revolution für die Demokratie anführen.
    Bashar al-Assad gilt als schüchtern und wollte eigentlich
    nur Augenarzt sein..

  • Der Westen hat die Aktion doch angestiftet und bildet die "Aufständischen" in der Türkei und Irak aus. 15 französische Ausbilder sind doch In Syrien gefangen genommen worden, das wurde bei uns aber von der Qualtitätspresse nicht an die grosse Glocke gehängt.
    Syrien ist das Tor zum Iran, weshalb der CIA und die Nato dort schon lange aktiv sind. Alle Friedensbemühungen sind doch nur zum Schein.

  • Der Journalist Starr ist mMn der Einzige, der die Lage richtig sieht.
    Ein Eingreifen des Westens wäre fatal.
    Dann passiert das was in Afghanistan laufend ist, dass Zivilisten zu Tode kommen und das erzeugt mehr Hass. Und zwar gegen uns.
    Die Syrer müssen sich selbst befreien.
    Dann können wir anschließend gerne helfen, jedoch ohne Bevormundung, wozu leider unsre derzeitige Regierung neigt.
    Und dies gilt eigentlich für alle Länder.
    Der Westen muß sich endlich einmal raushaltn aus irgendwelchen Auseinandersetzungen wo auch immer in der Welt.
    Wenn in Deutschland massiver Bürgerkrieg ausbrechen würde, würden wir uns auch wehren, wenn wir plötzlich aus dem Ausland bombardiert würden.
    Der gesamte Wsten sollte lieber mal in sich gehen. Jahrzehnte haben wir doch diese Regime gestützt, um gute Geschäfte zu machen

  • Man muß weder pro Assad noch contra Rebellen sein, um zu erkennen, dass den Kombattanden das syrische Volk sowas von egal ist.
    Und sie dokumentieren das jeden Tag aufs Neue.

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