Unruhen
Chinas Nordwesten von Aufständen erschüttert

Schwere Unruhen haben die chinesische Provinz Xinjiang erschüttert. Bei Ausschreitungen zwischen muslimischen Uiguren und Han-Chinesen sind mindestens 140 Menschen ums Leben gekommen. Autos brannten, Geschäfte wurden zerstört. Jetzt schlägt der Staat zurück - und Peking macht das Ausland für die Massenproteste verantwortlich.

PEKING. Schwere Unruhen in Nordwestchina: Bei Zusammenstößen zwischen muslimischen Uiguren und Han-Chinesen sind in der Provinz Xinjiang mindestens 140 Menschen ums Leben gekommen. Das erklärte ein Sprecher der Provinzregierung auf Anfrage des "Handelsblatt". Zudem seien 828 Personen verletzt in ärztlicher Behandlung. Es werde befürchtet, dass die Zahl der Opfer noch steige, zitierten nationale Medien örtliche Polizeikräfte. Einige Nachrichtenagenturen meldeten dagegen 816 zum Teil schwer Verletzte. Zuvor war von 129 Toten die Rede gewesen, in der Nacht sogar nur von drei, darunter ein Polizist.

75 Tote sind auf der Straße gestorben, die restlichen Opfer erlagen nach den Worten von Liu Yaohua, dem Polizeichef der Region Urumqi, später ihren Verletzungen im Krankenhaus. Wie es zu der hohen Zahl der Opfer kommen konnte, blieb zunächst unklar. Auf einer Pressekonferenz in der Hauptstadt der autonomen Provinz sagte Liu, es sei mit weiteren Todesopfern zu rechnen.

Die amtliche chinesische Nachrichtenagentur Xinhua berichtete, die Lage sei inzwischen wieder unter Kontrolle. Bei den Unruhen seien viele Autos und Geschäfte zerstört worden. Die Provinz gehört wie die Sonderverwaltungszone Tibet zu den ethnischen Krisenregionen Chinas, in denen es immer wieder zu Konflikten kommt. Die Uiguren sind ein muslimisches Turk-Volk. Mehr als acht Millionen leben in der Region Xinjiang.

Menschenrechtler werfen der Volksrepublik vor, die Uiguren unter dem Vorwand des Anti-Terror-Kampfs zu diskriminieren und zu unterdrücken. Vier Uiguren-Gruppen wurden bereits zu terroristischen Vereinigungen erklärt. Seit Mitte der 90er Jahre wurden laut Amnesty International über 3000 Uiguren verhaftet und mehr als 200 hingerichtet. Darum kommt es in Xinjiang immer wieder zu Gewalttaten separatistischer Uiguren, zuletzt vor den Olympischen Spielen.

China wiederum macht die Separatisten für rund 300 Anschläge mit mehr als 160 Toten seit 1990 verantwortlich. Peking hatte das Gebiet im Nordwesten 1955 als Autonome Region übernommen und hat seitdem viele Han-Chinesen angesiedelt. In der Provinz sind heute nur noch rund die Hälfte der Bevölkerung Uiguren. Viele von ihnen kämpfen für die Gründung eines eigenen Staats.

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