Unruhen in Ferguson
Dutzende Häuser stehen in Flammen

Eine Jury hat entschieden: Der Polizist, der Michael Brown erschoss, muss nicht vor Gericht. In Ferguson brechen erneut heftige Krawalle aus, es gilt Notstand, das FBI ist vor Ort. Die Entscheidung macht viele wütend.
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FergusonDer Todesschütze von Ferguson muss sich nicht vor Gericht verantworten. Weil eine Geschworenen-Jury am Montagabend entschied, keinen Anklage gegen einen weißen Polizisten zu erheben, der einen schwarzen Teenager erschossen hatte, kam es in dem Vorort von St. Louis im US-Bundesstaat Missouri erneut zu heftigen Gewaltausbrüchen.

Schüsse waren zu hören. Die Polizei setzte Tränengas und Rauchbomben gegen hunderte Demonstranten ein, die ihrerseits die Beamten mit Flaschen und Dosen angriffen. Die Unruhen seien „viel schlimmer“ als jene, die unmittelbar nach den tödlichen Schüssen eines weißen Polizisten auf einen unbewaffneten schwarzen Jugendlichen im August ausgebrochen waren, sagte der Polizeichef des Bezirks St. Louis, Jon Belmar am Dienstag. Mindestens zwölf Gebäude seien in Brand gesteckt worden. Die meisten seien vollständig ausgebrannt. Auch zahlreiche Autos wurden in Brand gesteckt. Er habe mindestens 150 Schüsse gehört, sagte Belmar. Allerdings gebe es bislang keine Hinweise auf Schwerverletzte. 29 Menschen seien seit den am Montagabend ausgebrochenen Krawallen festgenommen worden. Im August, kurz nach der Tat, löste der Fall auch eine landesweite Rassismusdebatte aus.

In Erwartung von Protesten nach der Entscheidung der Geschworenen rief der Gouverneur von Missouri, Jay Nixon, den Notstand aus und mobilisierte die Nationalgarde. Ein Team der Bundespolizei FBI arbeitet schon mit ranghohen Beamten in Ferguson zusammen. Auch Polizeitruppen in Nachbarorten wurden eingebunden, um Spannungen abzubauen und Vertrauen bei Anwohnern zu schaffen.

US-Präsident Barack Obama rief die Menschen in Missouri auf, friedlich auf die Entscheidung der Jury zu reagieren. Die Polizei mahnte er, sich zurückzuhalten. Zu diesem Zeitpunkt war die Wut vieler Menschen aber bereits in Gewalt umgeschlagen. „Mörder, Ihr seid nichts als Mörder“, wurde den Polizisten aus der Menge entgegengeschrien. Proteste gab es vor allem vor dem Polizeigebäude in Ferguson. Der 25-jährige Schwarze Antonio Burns sagte: „So funktioniert unser Rechtssystem nun einmal - die Reichen sind oben, die Armen unten.“

Angesichts der Unruhen wird der Flugverkehr über der Kleinstadt Ferguson eingeschränkt. Das gab die US-Luftfahrtbehörde FAA am späten Montagabend (Ortszeit) bekannt. Den Schritt begründete sie mit dem Ziel, „eine sichere Umgebung für die Aktivitäten“ der Polizei zu schaffen. Den Angaben zufolge wurden bereits zehn Flüge vom Airport Lambert-St. Louis umgeleitet. Nach Flughafenangaben sind nur ankommende Maschinen von der Maßnahme betroffen.

Die Geschworenen im US-Staat Missouri hatten entschieden, den weißen Polizisten Darren Wilson für seine Todesschüsse auf den unbewaffneten schwarzen Teenager Michael Brown nicht anzuklagen. In der Folge kam es zu neuen Unruhen in Ferguson.

Schon nach dem Tod Browns am 9. August hatte die FAA zwei Wochen lang den Flugverkehr über der Kleinstadt nahe St. Louis eingeschränkt. Dies galt auch für Pressehelikopter.

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Dutzende Häuser stehen in Flammen

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Proteste auch in anderen Städten

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  • Es war "Notwehr"
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    Wilson hatte Anfang August in Ferguson den 18-jährigen Michael Brown erschossen und Notwehr geltend gemacht.

    Er fühlte sich von ihm bedroht. Deshalb hat er ihn mit zwölf Schüssen niedergestreckt.
    Jetzt behauptet er, er habe "ein reines Gewissen".
    Er würde immer wieder so handeln.

    Aber mit diesem Urteil sind die nächtlichen Krawalle, Plünderungen, Brandschatzungen und Zerstörungen nicht zu rechtfertigen.

    Hier hat ganz klar die örtliche Polizei versagt. Sie kam zu spät und ging nur zögerlich gegen die Randalierer, Brandstifter und Plünderer vor.
    Auch die Nationalgarde hat versagt. Jetzt soll sie auf 12.000 Mann verstärkt werden.

    In Ferguson herrscht Bürgerkrieg!

  • @ Frau Andrea Merker

    >> wird es in den USA keine ernsthaften Systembrüche geben >>

    Ihren Optimismus in allen Ehren !

    Aber der finanzielle Kollaps, vor dem die Amis unmittelbar stehen, ist nicht zu unterschätzen.

    Wenn das Land zahlungsunfähig ist, ist auch eine nicht geringe Anzahl der Weissen betroffen. Die schlagen sich auf die Seite der Bunten ( Arm ist eben auch in Afrika arm ) !

    Dann haben wir das Verhältnis, von dem Sie sprechen.

  • Das Monstrum USA im Fäulnisprozess ihrer eigenen Überheblichkeit und Rücksichtslosigkeit.
    Was bin ich froh darüber, dass ich nach der Wiedervereinigung Deutschlands nun womöglich auch noch den beschleunigten Untergang der Geißel der Menschheit erleben darf.
    Der Faschismus ist das Endstadium dieses Ungeheuers, dass sich zielstrebig seinem Verfall annähert.

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