Unruhen in Frankreich
Sarkozy droht erneut mit Ausweisungen

Frankreichs Innenminister Nicolas Sarkozy hat seinen harten Kurs gegen die Randalierer im Land verteidigt und Einwanderern erneut mit Ausweisung gedroht.

HB PARIS. Die Unruhen schwächten sich in der 17. Nacht in Folge indes weiter ab. Im Großraum Paris blieb es angesichts eines massiven Polizeiaufgebots weitgehend ruhig. Bis 3.30 Uhr am Sonntagmorgen brannten randalierende Jugendliche der Polizei zufolge 285 Autos nieder - in der vergangenen Nacht waren es bis zu diesem Zeitpunkt noch 380 Autos. 153 Menschen wurden verhaftet, etwas weniger als in der Vornacht. Mit am schwersten betroffen war Lyon im Südosten Frankreichs. Dort verhängten die Behörden erstmals eine nächtliche Ausgangssperre für Jugendliche.

„Wenn man in Frankreich mit einer Aufenthaltsgenehmigung leben will, muss man sich an die Gesetze halten“, sagte Sarkozy am späten Samstagabend in Paris. „Die Einwanderungsgesetze erlauben eine Ausweisung. Ich bin der Innenminister und ich werde die Gesetze anwenden.“ Sarkozy war wegen seiner deutlichen Sprache von Randalierern und Politikern in den vergangenen Tagen kritisiert worden.

Mit den Ausschreitungen in Lyon kam es erstmals direkt im Zentrum einer größeren Stadt zu Ausschreitungen. Die Polizei ging mit Tränengas gegen rund 50 Jugendliche vor, die Verkaufsstände und Fahrzeuge beschädigten. Zehn Menschen wurden festgenommen. Die Ausgangssperre gilt für das Stadtzentrum sowie zehn Vororte in der Nacht auf Sonntag und auf Montag und soll jeweils um 22.00 Uhr des Vorabends in Kraft treten, wie die Behörden mitteilten.

In Paris hatten die Behörden ein Versammlungsverbot bis Sonntagmorgen um 8.00 Uhr verhängt, nachdem die deutsche Fußball-Nationalmannschaft dort gegen Frankreich gespielt hatte. Den Behörden zufolge war im Internet zu Krawallen im Zentrum aufgerufen worden - unter anderem waren die Prachtstraße Champs Elysees und der Eiffelturm als Ziel genannt worden.

Die Unruhen hatten in den Vorstädten von Paris begonnen. Jugendliche zumeist aus afrikanischen und arabischen Einwandererfamilien begehrten dort gegen ihre Lebensbedingungen auf. Sie fühlen sich unter anderem wegen mangelnder Arbeitsplätze von der Gesellschaft ausgegrenzt. Die Unruhen hatten am vergangenen Sonntag einen Höhepunkt erreicht und haben sich seit Dienstag landesweit deutlich abgeschwächt, als die Regierung Notstandsmaßnahmen verabschiedete.

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