Unruhen in Tibet
Olympia-Sponsoren sind alarmiert

Fünf Monate vor den Olympischen Spielen drohen die Proteste in Tibet das China-Bild zu beschädigen. Im Zentrum der Kritik steht das unzureichende Krisenmanagement der chinesischen Führung. Zwar bleiben Boykott-Aufrufe bisher weitgehend aus, doch die Sponsoren der Spiele sorgen sich.

PEKING. Unabhängig davon, was in Lhasa wirklich geschieht – der Umgang der Führung in Peking mit der Krise sei „PR-mäßig ein völliges Desaster“. So kommentiert ein politischer Beobachter in Peking die Informationssperre, mit der China auf den Tibet-Konflikt reagiert.

Seit Tagen dauern die Proteste, Razzien und Verhaftungswellen im Himalaya an. Die Zahlen über die Opfer gehen auseinander. Während die chinesische Führung 13 zählt, sprechen tibetische Aktivisten von bis zu 100 Toten. Forderungen nach der Entsendung eines unabhängigen Uno-Beobachters lehnt Peking ab: Die Vorgänge seien eine innere Angelegenheit.

Rufe nach einem internationalen Boykott der Olympischen Spiele bleiben bislang weitgehend aus. Noch steht das Projekt nicht auf der Kippe, doch Sponsoren sorgen sich: „Wir sind besorgt über die Situation in Tibet“, heißt es beim deutschen Sportartikelhersteller Adidas, einem der Hauptsponsoren: „Wir hoffen, dass sich die Lage bald wieder beruhigt.“ Selbst beim chinesischen Computerhersteller Lenovo klingt erstmals Distanz an. Dort hieß es auf Anfrage: Der Konzern habe bereits angekündigt, dass man sich als Sponsor nach den Spielen zurückziehen werde.

Bei Volkswagen erklärt man wie bei allen Sponsoren offiziell, dass man von einem Olympia-Boykott nichts halte. Die Olympischen Spiele seien „Plattform für einen Dialog“, heißt es bei VW in China. „Die Investition in die Olympischen Spiele war die beste Investition, die Volkswagen je getätigt hat“, ist VW-China-Chef Winfried Vahland vom Erfolg für seine Marke überzeugt. Doch hinter den Kulissen werden die Markenmanager durchaus nervös. Wenn die olympische Flamme auf ihrer Reise nach Lhasa kommt, wird sie von einer VW-Flotte umgeben sein. Der deutsche Konzern hat für den Fackellauf in China exklusiv die Sponsoringrechte erworben. „Hoffen wir mal, dass da nichts schiefgeht“, seufzt ein deutscher VW-Mitarbeiter in Peking – für viele ausländische Beobachter in Peking ist das in der Politik bereits der Fall.

Chinas Führung sei erstaunlich schlecht auf die Proteste vorbereitet. Schließlich seien diese, wenn auch nicht in ihrem Ausmaß, absehbar gewesen, heißt es. Es sei klar gewesen, dass Chinas Regierung vor den Sommerspielen „ein leichtes Ziel“ für alle Menschenrechtsgruppen werde, sagt etwa Robert Broadfoot von der Political and Economic Risk Consultancy in Hongkong.

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