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Unruhen: Madagaskars Militär feuert auf Demonstranten

Auf der Tropeninsel Madagaskar haben Soldaten nach einer Kundgebung der Opposition am Samstag in der Hauptstadt Antananarivo ein Blutbad angerichtet. Sie eröffneten ohne Vorwarnung das Feuer auf tausende Demonstranten und töteten laut Medienberichten mehrere Dutzend von ihnen.

Rauchsäulen Quelle: dpa
Rauchsäulen stehen während der Unruhen von Ende Januar über Madagaskars Hauptstadt Antananarivo. Quelle: dpa

dpa ANTANANARIVO. In ersten Berichten war von bis zu 40 Toten und 300 Schwerverletzten die Rede. Unter den Todesopfern sind nach Berichten des Fernsehsenders Tvplus auch zwei Journalisten - ein madegassischer TV-Journalist und ein ausländischer Reporter. Offizielle Angaben zu den Opferzahlen gab es zunächst nicht. Ein Sondergesandter der UN traf unterdessen zu Vermittlungsgesprächen auf der Insel ein.

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Die Behörden riefen zu Blutspenden auf und beorderten Ärzte und selbst Medizinstudenten in die überfüllten Krankenhäuser. In den Straßen spielten sich verzweifelte Szenen ab, als Menschen unter den Opfern nach vermissten Angehörigen suchten. Die Schüsse in der Umgebung des Stadtpalastes - eines Büros von Präsident Marc Ravalomanana - hielten bis zum Einbruch der Dunkelheit an. Das Rote Kreuz baute am Palast ein Zelt für die Erstversorgung der Opfer auf.

Die Menge hatte zuvor an einer Kundgebung des vor einer Woche selbst ernannten Präsidenten Andry Rajoelina teilgenommen. Vor 25 000 Anhängern seiner Demokratiebewegung hatte er eine Gegenregierung zu der von Amtsinhaber Marc Ravalomanana präsentiert, dem er Machtmissbrauch vorwirft. Danach waren etwa 10 000 Menschen protestierend zum Stadtpalast gezogen, wo sich ihnen Soldaten einer Spezialeinheit in den Weg stellten. Nach ersten friedlichen Verhandlungen stürmten einige Demonstranten plötzlich vorwärts, die Soldaten eröffneten daraufhin das Feuer.

Bereits nach der ersten Salve aus automatischen Waffen lagen nach Augenzeugenberichten mindestens 20 Menschen leblos am Boden. Nach einer zweiten Salve brach Panik aus. Unter den Opfern sollen auch Kinder gewesen sein. Beide Kontrahenten gaben sich im Fernsehen gegenseitig die Schuld. Während Ravalomanana den Opfern sein Beileid ausdrückte und Rajoelina vorwarf, seine Anhänger ins Verderben geführt zu haben, hielt ihm Rajoelina Versagen vor. Nur Diktatoren ließen Soldaten ohne Vorwarnung auf unbewaffnete Menschen schießen.

Die neue Eskalation der seit zwei Wochen andauernden Gewalt findet vor dem Hintergrund von Vermittlungsbemühungen der Vereinten Nationen statt. UN-Sondergesandter Haile Menkerios, der am Samstag auf Madagaskar eintraf, soll zwischen den Konfliktparteien vermitteln. Der blutige Machtkampf zwischen Ravalomanana und Rajoelina hat vor zwei Wochen mit einem Generalstreik begonnen, dem eine Plünderungswelle folgte. Bei Gewaltakten kamen damals mehr als 100 Menschen ums Leben.

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