Unruhen nach Neuwahl-Ausrufung
Gaza steht am Rande eines Bürgerkriegs

Die Lage im Gazastreifen spitzt sich zu. Nachdem Palästinenser-Präsident Mahmud Abbas Neuwahlen angekündigt hatte, gingen die Anhänger der regierenden Hamas zu Tausenden auf die Straßen. Die Mitglieder der Fatah-Bewegung von Abbas stellten sich ihnen entgegen. Mehrere Menschen starben. Der Präsidentensitz wurde beschossen. Die Angst vor einem Bürgerkrieg geht um.

HB GAZA. Zwei Mörsergranaten verfehlten am Sonntag das Büro Abbas' nur knapp. Dabei wurden nach Angaben palästinensischer Sicherheitskräfte fünf Wachleute und eine 45-jährige Frau verletzt. Abbas hielt sich zu dem Zeitpunkt im Westjordanland auf. Die Elitetruppen riegelten die Residenz des Präsidenten in Gaza ab. Maskierte Männer hatten zuvor ein Lager der Präsidentengarde gestürmt und einen Gardisten getötet.

Sowohl Hamas, als auch Fatah mobilisierten ihre Anhänger, die zu Zehntausenden im Gazastreifen und dem Westjordanland auf die Straße gingen. Die Hamas hatte den Neuwahlaufruf Abbas' abgelehnt und als Umsturzversuch gebrandmarkt. Sie forderte ihre Anhänger zu Massenprotesten auf.

Eine 19-Jährige starb, als sie bei Gefechten zwischen Anhängern der Hamas und der Fatah ins Kreuzfeuer geriet. Bei mehreren Schießereien wurden mindestens 20 Menschen verletzt, darunter auch ein französischer Journalist. Am Sonntag wurde der Fahrzeugkonvoi des Außenministers Mahmud al-Sahar attackiert, der zur Hamas gehört. Sahar wurde dabei nicht verletzt. Kämpfer der Hamas feuerten auf einen Demonstrationszug zehntausender Fatah-Anhänger. Mindestens ein Mensch sei dabei verletzt worden, hieß es. Die Gefechte dauerten bis in den Abend hinein an.

Abbas' Elitetruppe erstmals Ziel von Angriff

Die Angreifer des Ausbildungslagers von Abbas' Präsidentengarde hätten Uniformen getragen, die denen der Hamas-Extremisten ähnelten, sagte ein Offizier der Garde. Die maskierten Männer überfielen das Lager demnach im Morgengrauen. Den Wachmann am Eingang hätten sie zunächst durch Schüsse verwundet und ihn dann aus nächster Nähe erschossen. Dann hätten sie das Lager gestürmt, Dutzende Zelte in Brand gesteckt und sich Schusswechsel mit den Elitetruppen geliefert. Mindestens fünf weitere Gardisten seien dabei verletzt worden.

Es ist das erste Mal, dass Abbas' Elitesoldaten direkt angegriffen wurden. Die Garde wird von den USA unterstützt und hat fast 4 000 Mitglieder. Ein Sprecher des bewaffneten Hamas-Ablegers dementierte, dass die Gruppe hinter dem Angriff stehe. „Das ist eine falsche und unverantwortliche Anschuldigung“, sagte ein Sprecher.

Rund um Abbas' Residenz bezogen nach der Attacke hunderte schwer bewaffneter Gardisten Stellung. Sie riegelten einen großen Teil von Gaza ab, in dem auch das von der Hamas geführte Landwirtschaftsministerium liegt. Das Ministerium wurde von den Gardisten besetzt, die die Mitarbeiter nach Hause schickten. Der zur Hamas gehörende Außenminister Mahmud al-Sahar forderte die Fatah-Anhänger auf, die Ministerien zu verlassen. Andernfalls würden sie festgenommen und entwaffnet.

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