Unruhen
Viele Tote bei Indio-Aufständen in Peru

Es sind die schwersten Unruhen in Peru seit dem Amtsantritt von Präsident Alan Garcia 2006: Bei heftigen Zusammenstößen zwischen Ureinwohnern und Polizeikräften sind in dem südamerikanischen Land mehr als 50 Menschen getötet worden.

HB YURIMAGUAS. Die protestierenden Amazonas-Indios erklärten, 30 der Demonstranten starben. Die Polizei meldete am Wochenende 22 getötete Beamte. Die Armee verhängte inzwischen eine Ausgangssperre. Tausende Indios verhaarten jedoch mit Holzspeeren bewaffnet vor zahlreichen Straßen-Blockaden im Amazonas-Gebiet.

Die Proteste richten sich gegen die Vorhaben der Regierung, ausländische Energie- und Minenkonzerne durch staatliche Anreize für den Abbau von Bodenschätzen in den Regenwäldern Perus zu gewinnen.

Aufgebrachte Demonstranten hatten bereits am Samstag nahe einer Ölförderanlage Polizisten als Geiseln genommen und damit gedroht, die Anlage des Staatskonzerns Petroperu in Brand zu setzen, sollte die Polizei ihre Einsätze nicht beenden. Nach Angaben von Perus Polizeichef Miguel Hidalgo wurden ungefähr zehn der entführten Beamten getötet. Über den Verbleib mehrerer Geiseln herrsche Unklarheit. Fast zwei Dutzend Polizisten seien von Sicherheitskräften befreit worden. Regierungsangaben zufolge starben bereits am Freitag elf Polizisten, als sie die Blockade einer Straße in einer entlegenen Dschungelregion gewaltsam beenden wollten, die rund 1400 Kilometer von der Hauptstadt Lima entfernt liegt.

Präsident Garcia beschuldigte linksgerichtete Oppositionelle, für die Eskalation verantwortlich zu sein. Die Demonstranten hätten sich wie Terroristen verhalten und die Attacke sorgfältig geplant. Möglicherweise seien sie aus dem Ausland angestachelt worden, erklärte der Staatschef, ohne Namen zu nennen. Ein Anführer der indigenen Bevölkerung beschuldigte Garcia dagegen des Völkermords. Oppositionspolitiker forderten den Rücktritt von Ministerpräsident Yehude Simon.

Die Proteste der Indios halten bereits seit April an. Immer wieder wurden Straßen und Wasserwege blockiert. Zudem war über Wochen die wichtigste Pipeline des Landes lahmgelegt, die Öl vom Amazonas zum Pazifik befördert. Die Ureinwohner verlangen eine größere Beteiligung an den Entscheidungen über die Ausbeutung der Naturschätze.

In Peru herrschen enorme soziale Unterschiede zwischen Wohlhabenden, die vor allem in der Hauptstadt Lima leben, und der verarmten indigenen Landbevölkerung. Garcia hat besonders in den ländlichen Regionen wenig Rückhalt. Kritiker beschuldigen ihn, nicht genug für eine Verringerung der Armutsrate von 36 Prozent getan zu haben. Zudem werfen sie ihm vor, dass von seiner Politik der Förderung ausländischer Investoren und des freien Handels vor allem die städtische Oberschicht profitiert.

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