Unruheprovinz im Iran: Und immer wieder die Briten

Unruheprovinz im Iran
Und immer wieder die Briten

Der Südwesten Irans ist reich an Erdöl und Gas, die Menschen dort haben nur nichts davon. Konflikte sind dort an der Tagesordnung – eine Reise in eine Unruheprovinz.

AHWAZ. Die Ursache seines Ärgers liegt hinter hohen Zäunen versteckt: begrünte Vorgärten und saubere Straßen, ordentliche Schulen, nette Restaurants und ein Kino – „Newsite“, eine Stadt in einer Stadt, in Ahwaz, der Hauptstadt der iranischen Provinz Chusestan. Jedes Mal, wenn Ahmed Shamakteh an den Zäunen vorbeikommt, die Newsite eingrenzen, packt ihn die kalte Wut. Dort drüben leben die Perser, Menschen, die einen Job haben, in der Erdölförderung arbeiten, von den Schätzen dieses Landes profitieren. „Ich will dort arbeiten, aber ich darf nicht“, sagt Shamakteh, ein 19-jähriger Araber.

„Newsite“ hatten einst die britischen Kolonialherren erbaut, um ihre Ölarbeiter komfortabel unterzubringen und von der Außenwelt, von den Arabern, abzuschotten. Jahrzehnte nach dem Ende der britischen Regentschaft haben Perser ihren Platz übernommen. Sie profitieren jetzt von den immensen Öl- und Erdgasvorräten dieser Region. Chusestan ist eine der Provinzen mit den größten Erdölreserven in Iran. Doch die Menschen, die hier hauptsächlich leben, die Araber, sie haben nichts davon. Sie zählen zu den Ärmsten in Iran, kämpfen mit hoher Arbeitslosigkeit und sozialen Spannungen. „Wenn es einmal gute Jobs zu vergeben gibt, dann bekommen sie die Perser“, sagt Ahmed Shamakteh.

Immer wieder entladen sich die Konflikte in Chusestan in Gewalttätigkeiten. Dies zu ändern, in der Provinz für Frieden zu sorgen, das ist eine der größten innenpolitischen Herausforderungen des iranischen Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad. Das Problem droht aber unterzugehen wegen der außenpolitischen Eskapaden dieses Mannes.

Was Newsite für die Perser, sind Stadtviertel wie Kout Abdallah und Seyed Khalat für die Araber. Dort bleiben sie ganz unter sich. „Wenn die Schulstunde aus ist“, sagt der Direktor der Shahid-Favazdi-Grundschule, „dann sprechen die Kinder wieder Arabisch.“ 98 Prozent der Schüler seien arabischer Herkunft, sagt der Direktor, der anonym bleiben will. Nur mühselig lernten sie Farsi, die eigentliche Sprache Irans, und dass sie sie wirklich brauchen können, will ihnen nicht in den Kopf. Denn da, wo sie wohnen, spricht man reinstes Arabisch. Und viele kommen ein Leben lang nicht aus ihrem Ghetto heraus.

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