Unter Korruptionsverdacht
Neuer ANC-Chef mit alten Problemen

Den neuen Chef der südafrikanischen Regierungspartei ANC holt die eigene Vergangenheit ein. Während sich Jacob Zuma vor den Delegierten des ANC-Parteitags als Kämpfer gegen die massive Kriminalität im Lande präsentiert, arbeitet die Anklagebehörde an einem Verfahren gegen den Politiker.

HB POLOKWANE. Dem neuen Chef der südafrikanischen Regierungspartei ANC, Jacob Zuma, droht ein Ermittlungsverfahren wegen Korruption. Aufgrund der Beweislage stehe eine Entscheidung über die Einleitung eines Verfahrens unmittelbar bevor, erklärte der amtierende Leiter der Anklagebehörde, Mokotedi Mpshe. Im Zentrum der Ermittlungen steht Zumas Verhältnis zu seinem Finanzberater Schabir Shaik. In einem Waffengeschäft soll er Zumas politischen Einfluss erkauft und mit einem Teil des dafür erhaltenen Geldes Zumas Lebensstil finanziert haben.

Wegen dieser Vorwürfe war Zuma im Juni 2005 als Vizepräsident vom südafrikanischen Staatspräsidenten Thabo Mbeki entlassen worden. Doch der Korruptionsprozess wurde im September 2006 wegen Verfahrensfehlern eingestellt. Im Mai davor war Zuma bereits in einem Vergewaltigungsprozess freigesprochen worden. Jedes Mal verließ er den Gerichtssaal unter dem großen Jubel seiner zahlreichen Anhänger, die ihm über alle Anklagen hinweg die Treue hielten.

Als neuer ANC-Chef hat Zuma beste Aussichten, Nachfolger von Mbeki zu werden, wenn dessen Amtszeit 2009 endet. In seiner ersten Rede in der neuen Funktion ging Zuma deutlich auf Distanz zum Präsidenten, der ihm am Dienstag in einer Kampfabstimmung um den ANC-Vorsitz unterlegen war. Mit dem Bekenntnis zu einer energischeren Bekämpfung von Kriminalität und Aids in Südafrika nahm Zuma genau jene Themen ins Visier, in denen Mbeki nach Meinung von Kritikern zu zögerlich agiert hatte.

Die Kriminalität im Lande sei ein Problem, dem mit Priorität begegnet werden müsse, sagte Zuma am Donnerstag zum Abschluss des fünftägigen ANC-Parteitages in Polokwane. Der ANC müsse dabei in vorderster Front stehen. Zum Thema Aids sagte er, die Bekämpfung der Epidemie könne nicht Hilfsorganisationen allein überlassen werden, der Staat sei stärker gefordert.

Es ist das erste Mal seit dem Ende der Apartheid in Südafrika, dass der Staatspräsident nicht auch ANC-Vorsitzender ist. Dies hatte zu Spekulationen geführt, Mbeki könnte vor Ablauf seiner Amtszeit 2009 als Präsident zurücktreten. Ein Berater des Präsidenten sagte dazu am Donnerstag, Mbeki beabsichtige dies nicht.

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