Unter vier Augen
Obama setzt sich mit Romney zusammen

Im US-Wahlkampf haben sie erbittert miteinander gekämpft, jetzt reden sie erstmals friedlich miteinander: US-Präsident Barack Obama lud seinen unterlegenen Rivalen Mitt Romney zum Mittagessen ein.
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WashingtonZwei Rivalen setzen sich an einen Tisch: US-Präsident Barack Obama hat seinen unterlegenen Herausforderer Mitt Romney am Donnerstag zu einem privaten Mittagessen ins Weiße Haus eingeladen.

Der Republikaner fuhr in einem schwarzen Geländewagen vor und eilte in die Residenz des Präsidenten. Der Lunch in Obamas privatem Esszimmer neben dem Oval Office fand unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Nach einer Stunde und zwanzig Minuten brauste Romney wieder davon, ohne mit Reportern zu sprechen.

Einen bestimmten Ablauf habe das Treffen nicht gehabt, sagte Regierungssprecher Jay Carney. Der Präsident habe vielmehr über Romneys Ideen sprechen wollen, wie die Regierung effektiver arbeiten könne. Als Hauptgesprächsthema nannte Carney Amerikas Führungsrolle in der Welt. Obama und Romney hätten vereinbart, in Kontakt zu bleiben - vor allem dann, wenn sich die Gelegenheit zur Zusammenarbeit in Fragen von gemeinsamem Interesse ergebe. Weiter verriet das Weiße Haus nur noch, was es zu essen gab: Puten-Chili und Salat mit gegrilltem Hähnchen.

Auf der Agenda dürften allerdings auch die drängenden wirtschaftlichen Herausforderungen der USA gestanden haben: Zum Jahreswechsel droht das Land über die drohende Fiskalklippe aus automatischen Steuererhöhungen und Ausgabenkürzungen zu stürzen. Die Folge könnte eine neue Rezession sein.

Und vor allem in der Steuerpolitik hatten die beiden im Wahlkampf konträre Ansätze verfolgt. Während sich Romney für Ausgabenkürzungen für alle Verdiener starkmachte, will Obama Steuererhöhungen für Familien mit einem Jahreseinkommen über 250.000 Dollar durchsetzen.

Obama hatte die Präsidentschaftswahl am 6. November überraschend klar gewonnen, nachdem Umfragen ein Kopf-an-Kopf-Rennen vorausgesagt hatten. Der Präsident sicherte sich in den Bundesstaaten 332 Wahlmännerstimmen, Romney kam nur auf 206 Wahlmänner. Auch beim landesweiten Stimmenanteil lag Obama mit 51 Prozent vorne, Romney erhielt dagegen 48 Prozent.

Der Republikaner hatte nach seiner Niederlage mit verbitterten Äußerungen für Unverständnis auch in der eigenen Partei gesorgt. In einer Telefonkonferenz mit Spendern für seinen Wahlkampf hatte Romney US-Medien zufolge erklärt, Obama habe die Wahl nur mit "Geschenken" für Frauen, junge Leute, Afroamerikaner und Wähler lateinamerikanischer Abstammung gewonnen.

Der Präsident hatte in seiner ersten Pressekonferenz nach der Wahl seinem Kontrahenten eine Zusammenarbeit angeboten. "Es gibt bestimmte Aspekte in der politischen Bilanz von Gouverneur Romney, die sehr hilfreich sein könnten", sagte Obama. "Er hat einige Ideen im Wahlkampf vorgestellt, mit denen ich tatsächlich übereinstimme."

Der Präsident steht in seiner zweiten Amtszeit vor der Herausforderung, die tiefen Gräben zwischen seiner Demokratischen Partei und den Republikanern zu überwinden. Der Dauerstreit zwischen beiden Lagern lähmt die Politik in Washington.

Agentur
dapd 
DAPD Deutscher Auslands-Depeschendienst GmbH / Nachrichtenagentur
afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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