Unterhauswahl in Großbritannien
Blair kopiert Tory-Politik

Für den britischen Premierminister Tony Blair wird es in der bevorstehenden Legislaturperiode deutlich schwieriger, im Unterhaus Mehrheiten zu Stande zu bringen. Nun will der Premier mit den klassischen Themen der konservativen Opposition das Vertrauen der Briten zurückgewinnen.

HB LONDON. Bis Freitagmittag zeichnete sich ab, dass Labour im Parlament nur noch über eine Mehrheit von 60 bis 80 Stimmen verfügen wird. In der ablaufenden Legislaturperiode waren es 161. Sollte Blairs Mehrheit unter 70 Sitze fallen, dürfte er wegen zahlreicher Abweichler in den eigenen Reihen innerparteilich umstrittene Gesetzesvorhaben kaum noch durchbringen können. Dazu gehören eine Neuauflage der Gesetze zur Terrorbekämpfung und die Einführung eines Personalausweises.

Am Freitagmittag waren 622 der 646 Stimmbezirke ausgezählt. Labour gewann bisher 353 Wahlkreise, 2001 hatte die Partei 413 geholt. Besser als 2001 sieht es für die Konservativen aus: Ihnen sind bisher 196 Mandate sicher, vor vier Jahren holten sie 166. Auch die Liberaldemokraten konnten zulegen, allerdings weniger stark. Sie kommen bisher auf 61 Abgeordnete; bisher waren es 52. Die übrigen Parteien gewannen bisher 12 Wahlkreise im Vergleich zu 28 in der ablaufenden Legislaturperiode. 2001 hatte die Zahl der Stimmbezirke noch 659 betragen.

Blair sagte am frühen Morgen: "Ich bin sehr stolz auf die Tatsache, dass wir diesen historischen dritten Wahlsieg geschafft haben", sagte Blair. "Ich weiß, dass der Irak ein strittiges Thema in Großbritannien ist. Aber ich hoffe, dass wir uns wieder zusammenraufen und nach vorn schauen können." Für Blair ist es das wohl schönste Geburtstagsgeschenk: Der Regierungschef wird am heutigen Freitag 52 Jahre alt.

Angesichts des Stimmenverlustes kündigte Blair in einer ersten kurzen Rede vor dem Amtssitz Downing Street Nr. 10 an, sich mehr um die Sorgen der Bürger kümmern zu wollen. Einen besonderen Schwerpunkt legte er auf Recht und Ordnung und eine Verbesserung der Einwanderungspolitik. "Die Menschen mögen die Respektlosigkeit nicht, die sich in Schulen und auf den Straßen ausgebreitet hat", sagte er.

Damit will Blair in der neuen Legislaturperiode Themen aufgreifen, die eigentlich die konservative Opposition im Wahlkampf in den Vordergrund gestellt hat. Außerdem werde er werde daran arbeiten, den Lebensstandard von jungen Familien und Menschen mit niedrigen Einkommen zu verbessern, sagte der Premier. Er versprach, dafür zu sorgen, dass die Investitionen in Gesundheit und Erziehung zu besseren Ergebnissen führten. Zudem kündigte er eine Rentenreform an, um den Sorgen der heutigen Berufstätigen zu begegnen, dass sie keine ausreichende Altersversorgung bekämen.

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