Unternehmen fürchten Geschäftseinbußen durch strikte Visaregeln
„Festung Amerika“ sorgt für Unmut

Amerikas Unternehmer sind sauer: Ausländische Geschäftspartner müssen oft monatelang auf ihr Visum warten. Die Grenzbeamten fragen bei den Einreisenden immer genauer nach. Und neben der elektronischen Erfassung der Fingerabdrücke sollen bald auch biometrische Daten wie Details der Augen-Iris gespeichert werden. Ergebnis: Durch die immer schärfere Anti-Terror-Politik der US-Regierung machen ausländische Firmen zunehmend einen Bogen um Amerika. Mit der Folge, dass der heimischen Wirtschaft dicke Aufträge durch die Lappen gehen.

bac/je/tor NEW YORK. So hatte sich New York für die Querfeldein-Weltmeisterschaften in der Halle 2004 beworben. Das Sport-Ereignis war lukrativ, die Stadt erhoffte sich bis zu 8000 Besucher. Doch das Geschäft mit einem geschätzten Volumen zwischen sechs und zwölf Mill. Dollar ging wegen der schleppenden Erteilung von Visa flöten – New York hatte das Nachsehen. Aus dem gleichen Grund schauten die Amerikaner in die Röhre, als der Industrievertrieb Amway Korea eine Konferenz mit 8000 Teilnehmern in den USA absagte. Verlust: 15 Mill. Dollar. Der Elektronik-Riese Motorola musste fast einen zehn Mill. Dollar schweren Abschluss über die Lieferung von Radiogeräten in den Wind schießen, weil die Käufer aus Vietnam nicht ins Land reisen durften. Eine US-Großbank scheiterte fast mit ihrem Vorhaben, 700 Programmierer aus Indien ins Land zu holen. Die Hälfte der Visaanträge wurde zunächst abgelehnt. Erst nach einer Berufung kamen 90 Prozent ins Land.

Solche Beispiele gibt es immer häufiger. Nach einer Studie, die von acht US-Wirtschaftsverbänden in Auftrag gegeben wurde, mussten amerikanische Exportbetriebe seit 2002 mehr als 30 Mrd. Dollar abschreiben – Folge der lahmen Visa-Vergabe. Betroffen waren vor allem Geschäfte mit China, Indien und Russland; Deutschland rangierte auf der Beschwerdeliste auf Rang acht. „Zwar halten sich viele Unternehmen mit öffentlicher Kritik noch zurück, weil sie sich bei der Regierung keine Nachteile einhandeln wollen“, sagt Charles Santangelo, der die Untersuchung leitete. Doch unter der Decke ist der Unmut gewaltig. „Große Firmen können das Problem noch umgehen, indem sie nach Singapur, Stuttgart oder Marseille ausweichen", schimpft William Reinsch, Präsident des in Washington sitzenden Wirtschaftsverbandes National Foreign Trade Council: „Aber die kleineren Unternehmen trifft es knallhart."

Auch bei der US Chamber of Commerce, mit rund drei Millionen Mitgliedern die größte amerikanische Wirtschaftsorganisation, ist die Unzufriedenheit groß. „Das Netz der persönlichen Kontakte – Grundlage jeder erfolgreichen Geschäftsbeziehung – wird durch die Anti-Terror-Maßnahmen der Regierung blockiert“, klagt Gary Litman, Chef der internationalen Abteilung der US Chamber. Sein Horror-Szenario: „Wenn sich das nicht ändert, wandern in zehn Jahren viele Aufträge und Jobs in andere Länder.“

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