Unternehmertum als göttliches Mandat
Fromm und rostfrei

Am heutigen Nationalfeiertag ist es Zeit, sich um ein Schweizer Denkmal zu sorgen: das Offiziersmesser.

Die mannshohen Stanzmaschinen verrichten lautstark ihre Arbeit. Der Boden vibriert, es riecht nach Maschinenöl. Der Stahl, der aufgerollt wie Drachenschnur aus Deutschland und Frankreich hierher, in die Zentralschweiz, geliefert wird, fasst sich porös an. Seinen Glanz und seine Festigkeit erhält er erst, wenn er gehärtet, poliert und geschliffen ist.

„Sackmesser“ nennen die Eidgenossen das, was aus ihm werden wird. Als Schweizer Offiziersmesser eroberten die Sackmesser die Welt, eines landete als Design-Ikone sogar im Museum of Modern Art in New York.

930 Mitarbeiter produzieren in Ibach 34 000 Taschenmesser täglich. Dazu kommen Messer für den Hausgebrauch und Werkzeugkoffer im Hosentaschenformat, als „Multitools“ bekannt. 120 000 Victorinox-Originale verlassen das Werk am Tag.

Die Maschinen dröhnten und der Stahl surrte auch, als am Nachmittag des 11. September 2001 das World Trade Center in New York einstürzte. Carl Elsener IV. saß an jenem Tag vor dem Fernsehgerät. Der Urenkel des Firmengründers der Schweizer Messerlegende Victorinox war schockiert über die Grausamkeit der Terroristen.

Dass der Anschlag in New York den Rhythmus der Maschinen im Swiss Knife Valley, wie sich das von Bergen eingeschlossen Tal gerne nennt, durcheinander bringen würde – damit hatte er allerdings nicht gerechnet.

„Auf sieben fette Jahre folgen sieben magere Jahre – das ist der Gang der Dinge seit Jahrtausenden“, sagt Elsener, ein Mann mit kantigem Gesicht und ordentlich gescheiteltem Haar.

Das Bibelzitat kommt ihm nicht zufällig in den Sinn. Hier im katholischen Ibach, dem ehemaligen Armenhaus der Schweiz, dient die Bibel als Betriebshandbuch. „Fromm und rostfrei“ heißen die Tugenden, mit denen Victorinox von sich sagen kann, das Desaster des 11. Septembers überlebt zu haben: „Wir haben das Gefühl, wir sind vom Herrgott an diese Stelle gesetzt worden“, glaubt Elsner und erklärt das Unternehmertum zum göttlichen Mandat. „Wir betrachten die Fabrik nicht als Eigentum, sondern zur guten Verwaltung anvertraut.“

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