Unterstützung durch Konservative
Blair forciert Entscheidung für Atom

Großbritannien wird bis zum Frühsommer über den entscheiden. Das kündigte Premier Tony Blair am Dienstag auf dem Kongress des Unternehmerverband CBI an.

LONDON. Blair und Energieminister Malcom Wicks versicherten zwar, der Ausgang der Entscheidung sei noch nicht gefallen. Die Diskussion im britischen Handelsministerium werde vorurteilsfrei verlaufen. Dennoch wurde die Ankündigung als klares Signal für mehr Atomstrom gewertet. Seit 1994 wurden in Großbritannien keine Kernkraftwerke mehr in Betrieb genommen.

Demonstranten der Umweltorganisation „Greenpeace“ entrollten vom Dach des Konferenzgebäudes in London ein Banner mit der Aufschrift: „Atom – falsche Antwort“ und forderten zehn Minuten Zeit, um eine Rede zu halten. Blair hielt seine Rede mit 48 Minuten Verspätung in einem Nebenraum. Es war ein Vorgeschmack auf die heftige Debatte, die auf die Briten zukommen dürfte.

Angesichts der akuten Energiekrise stehe die Atomfrage plötzlich mit „Nachdruck“ auf der Tagesordnung, sagte Blair in einer Anspielung auf die aktuelle Debatte um die Sicherheit der britischen Gasversorgung. In der ganzen Welt werde „fieberhaft“ über die Energiepolitik nachgedacht.

Großbritannien muss bis 2020 den Großteil der Atommeiler aus Altersgründen vom Netz nehmen. Zusammen mit Ausfällen im Kohlestrom bedeuteten dies eine Energielücke von 30 Prozent. „Nicht alles davon kann durch erneuerbare Energien ersetzt werden“, sagte Blair.

Die „Times“ berichtete vor einer Woche unter Berufung auf Berater der Regierung, Blair habe Pläne zum Bau einer neuen Reaktorgeneration bereits gebilligt und strebe eine Beschleunigung der Planungsverfahren an. Schon in zehn Jahren könne das erste neue Atomkraftwerk ans Netz gehen, hieß es in dem Bericht, der von Downing Street dementiert wurde. In der Labour-Partei wird die Atomentscheidung heftig debattiert, doch kann Blair auf breite politische Zustimmung bauen. Umweltministerin Margaret Beckett, bislang die entschiedenste Gegnerin der Kernkraft im Kabinett, deutete an, dass sie sich einer Atomentscheidung anschließen würde. Der britische Chefwissenschaftler, Sir David King, hatte sich in aller Deutlichkeit für die Atomkraft als „unverzichtbare Waffe im Kampf gegen den Klimawandel“ ausgesprochen.

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