Untersuchungsbericht
Schwere Vorwürfe gegen den IWF

Eine interne Untersuchung zeigt Schwächen in der Arbeitsweise des Internationalen Währungsfonds. Warnsignale wurden übersehen oder falsch interpretiert. Jetzt will sich der IWF bessern und setzt auf externe Expertise.
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WashingtonVor und während der Finanzkrise hat der Internationale Währungsfonds (IWF) die aufziehenden globalen Probleme oft erst zu spät erkannt oder gar nicht erst benannt. In seinem am Montag vorgelegten Bericht über die Arbeitsweise des Fonds geht der IWF nun erstmals mit sich kritisch ins Gericht und macht Verbesserungsvorschläge. 

Tatsächlich hatte es der Währungsfonds schon vor 2008 versäumt, vorhandene Warnsignale entsprechend zu interpretieren. Dadurch hat das Renomée des IWF als Frühwarnsystem deutlich gelitten. Seit der Aufwertung des Fonds auf dem G 20-Gipfel in London im Frühjahr 2009 ist jedoch gerade diese Aufgabe politisch gestärkt und finanziell abgesichert worden. In ihrem „Triennial Surveillance Review“ raten die Autoren dem Fonds deshalb, das Monitoring von Volkswirtschaften auch dann beizubehalten, wenn die akute Krise vorüber ist. Wichtig sei es dabei, nicht nur einzelne Länder zu beobachten und zu analysieren, sondern die Wechselwirkungen der Länder zueinander zu untersuchen. 

Außerdem wird empfohlen, für die Riskoanalyse künftig auch verstärkt Expertise von außen hinzu zu ziehen. So schlagen die Autoren vor, eine externe Beratergruppe zu etablieren. Diese könne gerade wenn es um systemische Risiken geht, wertvollen Rat geben. Gefördert werden könne damit auch die Bereitschaft, bei der Analyse künftig neue Wege zu gehen. Darunter fällt nach Ansicht der Autoren auch, bei der Untersuchung der Finanzstabilität eines Landes nicht nur auf den Wechselkurs zu achten. Zahlreiche Exekutivdirektoren der Mitgliedsländer bemängelten hier, dass Kapitalflüsse und Währungsreserven viel zu wenig beachtet würden. Empfohlen wird, Länderbilanzen zum externen Gleichgewicht zu veröffentlichen. 

Ganz grundsätzlich sollten die Ratschläge des Fonds so weit wie möglich auf die jeweiligen Besonderheiten der einzelnen Länder zugeschnitten sein, heißt es in dem Bericht. Dies beziehe sich gerade auch auf die sozialen Aspekte der Gesellschaften. 

Im Januar dieses Jahres hatte die Unabhängige Evaluierungseinheit (IEO) harsche Kritik an der Arbeit des IWF geübt. Die IEO war 2001 eingerichtet worden und ist beim IWF angesiedelt. In ihrem Bericht kam die IEO damals zu dem Ergebnis, dass der Fonds vor 2008 viel zu wenige Warnungen über die bevorstehende Krise abgegeben habe. Das Risiko der Ansteckungsgefahr bestimmter Risiken wurde unterschätzt. Zudem sei nur in allgemeiner Form gewarnt worden ohne ins Detail zu gehen. Beherrscht sei der IWF intern von Gruppendenken, intellektuelle Enge und eine Atmosphäre, die nicht zur Äußerung abweichender Meinungen ermutige, kritisierte der Bericht der IEO zu Anfang des Jahres.

 

Markus Ziener ist Korrespondent in Washington.
Markus Ziener
Handelsblatt / Korrespondent

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