Unterwegs am Hindukusch
Westerwelles Erstkontakt mit der Front

Für den deutschen Außenminister Guido Westerwelle beginnen die schwierigen Tage. Nach dreiwöchigem Schaulaufen in den Nachbarstaaten warten mit Afghanistan-Visite und Israel-Besuch die echten Herausforderungen. In Kabul umkurvte er, bisweilen leicht unsicher, alle Fettnäpfchen. Eine Vision aber fehlt noch.
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KABUL. Am Ende ist Guido Westerwelle erleichtert, einfach nur erleichtert. Entspannt steht er in Maazar-i-Sharif im Flutlicht vor einem weißen Zelt, der Wind bläst Sand durch die dunkle, kalte Luft um den Bauplatz der neuen Polizeiakademie. "Und ich freue mich, den Grundstein für dieses Projekt legen zu können", sagt Westerwelle. Er drückt dem stellvertretenden Gouverneur der nordafghanischen Provinz Balkh die Hand, schmiert etwas Zement auf den Grundstein, ein Band spielt die Nationalhymnen ab.

Eigentlich geht es Westerwelle gar nicht mehr um dieses Projekt, so wichtig ist die Aufstockung der Polizeiausbildung auch ist. Aber er wirkt erleichtert. Weil es ein guter Tag war.

Schon auf dem Flug mit der Bundeswehr-Transall von Kabul in den von den Deutschen betreuten Norden des Landes war alle Last des Tages von ihm abgefallen. Immerhin hat der Außenminister in Afghanistan gerade die erste richtige Bewährungsprobe seiner Amtszeit bestanden. Die Reise zur Amtseinführung von Präsident Hamid Karsai war ein Risiko gewesen, das ihn seit Tagen beschäftigte. Das afghanische Staatsoberhaupt gilt spätestens seit der umstrittenen Präsidentschaftswahl nicht mehr als Darling des Westens. Beim Besuch in Kabul musste Westerwelle den Spagat bewältigen, einerseits Unterstützung für die afghanische Führung zu signalisieren, sie andererseits aber dringend zu Reformen drängen. Würden solche Bilder am Ende nicht belastend wirken?

Angespannt ist Westerwelle deshalb, als er am gestrigen Donnerstag morgen in der kalten Morgensonne auf dem Flughafen in Kabul landet. Denn im Grunde bedeutet der erste Flug über den Hindukusch einen Bruch in der kurzen Amtszeit des Außenministers. Damit endet der dreiwöchige Showlauf in die glitzernde Welt der Diplomatie. Drei Wochen lang hatte der begeisterte FDP-Chef bei seinen Antrittsbesuchen gestaunt und sich gefreut, wie schnell er etwa in den "Duz"-Klub seiner 26 EU-Kollegen aufgenommen, wie er von den Regierungen der kleinen Nachbarstaaten mit Freundlichkeiten überschüttet wurde, wie oft er sich bereits mit US-Außenminister Hillary Clinton treffen konnte.

Jetzt wird es ernst. Das geht dem FDP-Chef auch auf dem kurzen Weg vom Flughafen zum Hochsicherheitstrakt der amerikanischen Botschaft durch den Kopf. Kabul erinnert im Herbst 2009 mit seinen Sicherheitssperren und Betonwänden immer mehr an Bagdad. Spannung und die ständige Angst vor Taliban-Anschlägen liegt in der Luft.

Zwar hatte Westerwelle schon im Herbst 2007 als Oppositionsführer Afghanistan besucht. Aber da war er nur Zuschauer. Sein Einfluss beschränkte sich darauf, den deutschen Soldaten im Lager in Kabul einen neuen Großbildschirm zu organisieren. Jetzt aber gehört der Vizekanzler zum Kreis der sieben westlichen Außenminister, die sich noch vor der Amtseinführung von Präsident Hamid Karsai in der US-Botschaft treffen. Gemeinsam will man besprechen, wie man Karsai zu Beginn der zweiten Amtszeit eine mahnende Botschaft aussprechen kann.

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  • Guten Tag,...... Vor langer Zeit als Joschka noch Aussenminister war und in Tel Aviv weilte, fuhr ich in sicherer begleitung nachts um 2 Uhr durch die Stadt. An jeder Ecke Zahal ( das ist kein Gesangverein ) damals habe ich eine bombe gehoert. ich kann versichern sie klingen anders als in Filmen. Aber wie sagt der wackere Aussenminister in Feindesland." bombs have to be seen, not heard." Also Guido. Solange du die Schuesse und bomben hoerst lebst du noch. Moellemann war da schon etwas abgehaerteter.besten Dank.

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