Uran-Export
Iran setzt Katz-und-Maus-Spiel fort

Im Konflikt um sein Atomprogramm spielt Iran auf Zeit: Die Regierung in Teheran stimmte am Donnerstag einem Plan der Internationalen Atomenergieagentur (IAEA) zur Anreicherung iranischen Urans im Ausland nur bedingt zu.
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GENF. Irans IAEA-Botschafter Ali Asghar Soltanieh verlangte „ökonomische und technische“ Nachbesserungen, berichteten iranische Medien. Am Donnerstag übergaben die Iraner der Atombehörde formell ihre Antwort auf den Plan. Diese sei „eher schwach“ ausgefallen, hieß es. Offiziell bewertete die IAEA die Antwort nicht, sie sprach aber von der „Hoffnung“, bald eine Vereinbarung zu erzielen. Der genaue Wortlaut des Schreibens aus Teheran blieb zunächst offen.

Die internationale Gemeinschaft verdächtigt das Mullah-Regime, unter dem Deckmantel eines zivilen Nuklearprogramms heimlich Atomwaffen zu entwickeln, und hat deshalb bereits Sanktionen gegen Iran verhängt. Problematisch ist vor allem, dass Teheran auf dem Recht beharrt, selbst Uran anzureichern. Uran kann je nach Anreicherungsgrad zum Betrieb von Kernkraftwerken oder für den Bombenbau verwendet werden.

Die IAEA hatte der iranischen Führung deshalb angeboten, rund 1200 Kilogramm bereits schwach angereichertes Uran in Russland und Frankreich weiter anzureichern und zu Brennstoff verarbeiten zu lassen. Die Menge entspricht etwa drei Vierteln des iranischen Vorrats an schwach angereichertem Uran. Mit dem Brennstoff könnte Iran einen Forschungsreaktor in Teheran betreiben. Aufgrund der Uno-Sanktionen kann das Land auf legalem Weg sonst kein Material zum Betreiben des Forschungsreaktors einführen.

Der Westen hätte durch den Deal die Sicherheit, dass Iran zumindest einen Teil seines Urans nicht hoch anreichert und zum Bombenbau missbraucht. Die USA, Russland und Frankreich stimmen dem IAEA-Konzept deshalb auch uneingeschränkt zu. Irans Präsident Mahmud Ahmadinedschad wertete ihr Votum als Ja zum Atomprogramm seines Landes.

Nach iranischen Medienberichten weigert sich das Mullah-Regime aber, die gesamte Menge von 1200 Kilogramm außer Landes zu bringen. Die Iraner fürchten, dass der Stoff konfisziert werden könnte. Stattdessen wollen sie das schwach angereicherte Uran nur portionsweise abgeben. Die jeweils außer Landes gebrachte Menge Uran könnte der Iran in seinen Atomanlagen laufend ersetzen. Ein solches Szenario änderte aber nichts am Kern des Konflikts: Denn Iran würde weiter Uran anreichern und käme dem Besitz atomarer Massenvernichtungswaffen immer näher.

Diplomaten rechnen jetzt mit weiteren zähen internationalen Verhandlungen, um das mögliche Atomwaffenprogramm zu stoppen. „Es kommt darauf an, wie Washington, Moskau und Paris auf Irans Antwort reagieren“, sagte ein Unterhändler. Vor allem die prinzipielle Weigerung Teherans, auf die Anreicherung von Uran ganz zu verzichten, steht einer Lösung des Atomkonflikts weiter im Weg. Der Uno-Sicherheitsrat hatte dem Land mehrfach die Anreicherung verboten, doch Teheran ignoriert die Anordnung.

IAEA-Generaldirektor Mohamed el Baradei hatte Mitte vergangener Woche noch Zuversicht verbreitet, nachdem er Iran, Frankreich, Russland und den USA den Plan seiner Behörde unterbreitet hatte. Eine Zustimmung aller Parteien zu dem Konzept würde eine „neue Ära der Kooperation“ einläuten, sagte der Ägypter.

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