Uranhandel
Delhi öffnet Atommeiler für Kontrolleure

Indien will seine Energieknappheit durch Atomkraftwerke beseitigen. Nun soll auch die internationale Atombehörde die indischen Nuklearanlagen unter die Lupe nehmen dürfen. Etliche Länder wollen bald wieder Uran an Indien liefern - und das 34-jährige Embargo beenden.

DELHI. Indien wird internationalen Atomkontrolleuren erstmals den Zutritt zu einigen seiner bisher verschlossenen Kernkraftwerke erlauben. Das Land unterzeichnete gestern ein Abkommen mit der internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) über regelmäßige Inspektionsbesuche in 14 seiner 22 zivilen Reaktoren. Die Vereinbarung war eine der Bedingungen des 2005 zwischen Indien und den USA geschlossenen Vertrags zur Zusammenarbeit bei der zivilen Nutzung von Atomenergie.

Die Kontrollen sind die Voraussetzung dafür, dass Brennmaterial und Nukleartechnologie nach Indien geliefert werden dürfen. Das Land leidet unter großer Energieknappheit und will die Nutzung von Atomenergie mit Investitionen in Höhe von 100 Mrd. Dollar bis 2020 erheblich ausbauen. Lieferanten aus der ganzen Welt stehen Schlange um lukrative Aufträge. So hat Frankreich kürzlich den Verkauf von 300 Tonnen spaltbarem Uran an Indien vereinbart; auch mit Kasachstan gibt es einen Vorvertrag zur Uranlieferung. Amerikanische, französische, britische, russische und japanische Firmen wetteifern zudem um den Bau neuer Atomkraftwerke.

Das Abkommen mit der IAEA beendet ein 34 Jahre währendes Lieferembargo gegen Indien. Damit es endgültig in Kraft tritt und die Kontrollen beginnen können, muss die Regierung noch einige Rechtsanpassungen vornehmen. Indien war nach seinem ersten Atomtest 1974 zum Nuklearparia geworden. Es hat den Atomwaffensperrvertrag nicht unterzeichnet. Der Atomtest hatte damals zur Gründung der Nuclear Suppliers Group (NSG) aus aktuell 45 Staaten geführt, die sich der Nichtweiterverbreitung von Atomwaffen verschrieben haben.

Für Indien ist die Aufnahme in die Gruppe anerkannter Nuklearenergienutzer eine Prestigefrage. Dass die NSG dem Ende des Lieferembargos zugestimmt hat, obwohl Indien auch künftig nicht alle seine Reaktoren der Inspektion durch die IAEA unterstellt, beruht maßgeblich auf dem Druck der USA, die Indien als Gegengewicht zu China in der Region stärken wollen. Bisher wurden nur sechs indische Kernkraftwerke kontrolliert, an deren Bau ausländische Firmen beteiligt waren.

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