Ureinwohner Neuseelands
Die, die den Atem teilen, zeigen ihre Muskeln

Wenn Tony Mako lacht, zittert der Boden. Der 58-jährige Maori-Älteste erzählt gerne lustige Geschichten und wackelt dabei wie ein Pudding. Er steht auf dem Berg Ta Mata bei Hastings auf der neuseeländischen Nordinsel. Eisiger Wind bläst, als er in seiner Muttersprache die Geschichte seiner Urahnen erzählt.

HB HASTINGS. Fasziniert erwarten zehn Besucher aus Europa das „Powhiri“, die traditionelle Begrüßungszeremonie der Maori. Dabei müssen sie Mako erzählen, weshalb sie hier sind. Danach sollten die Gäste gemeinsam ein Lied singen: „,Stille Nacht’ ist in Ordnung“, sagt Mako. Schließlich folgt das traditionelle „Hongi“: Jeder Gast gibt dem Gastgeber die Hand.

Gleichzeitig drücken beide Nase und Stirn aneinander. „So schaffen wir eine sofortige Verbindung mit unseren Gästen“, sagt Mako, „eine Aura des Vertrauens.“

Die Kultur der Maori, die so lange unterdrückt wurde, lebt wieder auf. Touristen aus der Alten Welt sind ein Grund, die Aussöhnung mit den einstigen Kolonisatoren ist ein zweiter – und dank ihrer großen Geschäftstüchtigkeit haben die stolzen Ureinwohner Neuseelands ihrem Volk zu einer Renaissance verholfen, von der etwa die Aborigines in Australien nur träumen können.

Stolz. Die Bedeutung dieses Wortes hatten die Maori schon fast vergessen. Noch vor 20 Jahren schämten sich viele Ureinwohner von „Aoteroa“, dem „Land der langen, weißen Wolke“, ihrer Herkunft. In der Schule wurden sie bestraft, wenn sie ihre Muttersprache benutzten. Die traditionelle Süßkartoffel wich den Pommes frites. Die meisten Maori rutschten in die Unterschicht ab.

Auf dem Schiff der Firma „Whale Whatch Kaikoura“ übertönen die Begeisterungsrufe der Passagiere das Dröhnen des Motors. Nur 100 Meter entfernt brechen vier Buckelwale durch die Wasseroberfläche des Pazifiks. Kameras klicken – im Tandem mit dem Klingeln der Firmenkasse.

Walbeobachtung ist ein Millionengeschäft in Neuseeland – und nur eines von zahlreichen Aktivitäten der Ngai Tahu. Der Stamm unterhält auf der Südinsel Neuseelands einen regelrechten Konzern mit einem Jahresumsatz von 95 Millionen Euro. Ngai Tahu ist ein eindrucksvolles Beispiel dafür, wie die Entschädigungen der Regierung von den Maoris Gewinn bringend eingesetzt wurden, um das eigene Volk aus der Sozialhilfe zu holen und auf eigene Füße zu stellen.

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