Urheberschaft der Attentate könnte Ergebnis der Parlamentswahlen beeinflussen
Spanier fordern harte Hand

Es ist eine grausame Tradition, dass sich die separatistische baskische Terrorgruppe Eta im Vorfeld spanischer Wahlen mit blutigen Attentaten zu Wort meldet. Grausame Wirklichkeit wurde das zuletzt im Jahr 2001 bei den Regionalwahlen im Baskenland.

MADRID. Damals töteten Eta-Aktivisten in San Sebastián mit einer Autobombe zwei Arbeiter, sie erschossen den Chef des konservativen Partido Popular (PP) in Aragón vor den Augen seines Sohnes und ließen eine Autobombe in einer großen Einkaufsstraße in Madrid hochgehen.

Das Attentat übertrifft in seinen blutigen Ausmaßen jedoch alle bisherigen Anschläge und wird deswegen von politischen Beobachtern, aber auch vom Volk in seinem Einfluss auf die am Sonntag anstehenden Parlamentswahlen anders bewertet. Bei den Wahlen im Baskenland vor drei Jahren haben vor allem die dortigen Nationalisten, vereinigt in der ebenfalls wie die Eta nach Unabhängigkeit strebenden Partido Nacional Vasco (PNV), von den Anschlägen der Terrorgruppe profitiert.

Dieses Mal werden die Bombenattentate anders auf die Wähler wirken. Wenn die Eta für die verheerende Bluttat verantwortlich sei, werde die regierende Volkspartei von Premier Jose Maria Aznar von den Anschlägen profitieren, sind sich politische Beobachter sicher. Umfragen haben Aznars Partido Popular (PP) bereits vor den Anschlägen als Wahlsieger gesehen.

„Viele Spanier werden jetzt eine harte Hand fordern“, heißt es. Das bestätigt die 36-jährige Verlagskauffrau Marta García-Escudero, Sympathisantin linker Parteien. Sie fürchtet, dass das Attentat dem konservativen PP am kommenden Sonntag die absolute Mehrheit im Parlament sichern könnte: „Diese Bluttat wird ihnen sehr helfen.“ Keiner der Kandidaten steht mehr für eine harte Hand als José María Aznar und sein Nachfolger an der Spitze der Partei und als Kandidat für das Amt des spanischen Premiers, Mariano Rajoy.

„Die Anschläge werden auf jeden Fall mehr der Volkspartei PP als der linken PSOE nutzen“, sagt Charles Powell, Analyst beim politischen Forschungsinstitut Real Instituto Elcano in Madrid. „Die Menschen trauen den Konservativen mehr Härte und mehr Effizienz im Anti-Terror-Kampf zu“, begründet Powell seine Meinung.

Allerdings: Sollte sich El Kaida als Urheberin der Anschläge erweisen, ist die absolute Mehrheit der Konservativen nicht mehr sicher: Weil die Regierung den Irak-Krieg gegen den Willen der Bevölkerung unterstützt hat, droht ihnen ein Stimmenabzug.

„Das wäre schlecht für den PP“, bestätigt Carlos Vidal, Verfassungsrechtler an der Madrider Fernuniversität. Dass deshalb die Sozialisten wider Erwarten doch noch die Wahl gewinnen könnten, glaubt er freilich nicht.

Bislang tendieren die Spanier allerdings noch zu der Vermutung, dass die Eta die Anschläge in Madrid verübt hat. Die konservative Regierungspartei hätte dann nichts zu befürchten. Sogar „einige Basken“, meint ein Anwohner der Anschlagsorte, Ezequiel Durán, „wird diese Bluttat so abstoßen, dass sie lieber für eine Partei votieren werden, die weniger kooperativ mit der Eta umgeht als die separatistische baskische Partei PNV.

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