Urteil gegen Pussy Riot
Entsetzen hier, Zustimmung da

Zwei Jahre Haft wegen „Rowdytums aus religiös motiviertem Hass“ - das Urteil gegen Pussy Riot löst weltweit Empörung aus. Die Mehrheit der Russen dagegen ist auf der Seite der Richter – mit prominenten Ausnahmen.
  • 49

Moskau/Brüssel/Washington/BerlinEntsetzen über ein „politisches Urteil“ in Moskau: Drei Mitglieder des Kunstkollektivs Pussy Riot müssen zwei Jahre in Haft. Weltweit wird Freiheit für die Gegnerinnen von Kremlchef Putin gefordert.

Die Haftstrafen für drei Mitglieder der kremlkritischen Punkband Pussy Riot sind weltweit auf Empörung und Kritik gestoßen. Rund um den Globus protestierten Anhänger der jungen Frauen in zahlreichen Großstädten gegen den Schuldspruch wegen Rowdytums aus religiösem Hass. In Russland verurteilten die Opposition, Bürgerrechtler und regierungskritische Medien die Strafen - jeweils zwei Jahre Lagerhaft - scharf.

Nadeschda Tolokonnikowa (22), Maria Aljochina (24) und Jekaterina Samuzewitsch (30) hatten am 21. Februar mit einem Punkgebet in der wichtigsten russisch-orthodoxen Kirche gegen die Rückkehr Wladimir Putins in den Kreml protestiert. Sie sitzen seit fast einem halben Jahr in Untersuchungshaft.

Die Künstlerinnen hätten die Gefühle der Gläubigen absichtlich beleidigen wollen, sagte Richterin Marina Syrowa in ihrer fast dreistündigen Urteilsverkündung. Einen politischen Hintergrund, wie ihn die Frauen betont hatten, wies sie zurück.

Das Urteil zeige, dass Staat und Kirche in Russland endgültig miteinander verflochten seien, kommentierte die Zeitung „Nowaja Gaseta“ im Internet. Das Onlineportal newsru.com schrieb in Anlehnung an die mittelalterlichen Hexenprozesse: „Moskau, 21. Jahrhundert: Zwei Jahre für einen "satanischen Veitstanz".“

Der Schuldspruch sei „unverhältnismäßig hart“, ließ Angela Merkel (CDU) mitteilen. Die Bundeskanzlerin erklärte, sie habe den Prozess „mit Besorgnis“ verfolgt. Das Urteil von zwei Jahren Straflager stehe „nicht im Einklang mit den europäischen Werten von Rechtsstaatlichkeit und Demokratie, zu denen sich Russland unter anderem als Mitglied des Europarates bekannt hat. Eine lebendige Zivilgesellschaft und politisch aktive Bürger sind eine notwendige Voraussetzung und keine Bedrohung für Russlands Modernisierung“, betonte Merkel.

Auch Bundesaußenminister Guido Westerwelle kritisierte die Entscheidung des Gerichts. „Zwei Jahre Haft für politischen Protest und ein Punk-Gebet in einer Kirche - diese Strafe ist zu hart“, schrieb Westerwelle in einem Beitrag für die „Bild“-Zeitung. „Viele fragen: Urteilt so ein Rechtsstaat? Ich verstehe alle, die Zweifel haben.“

US-Präsident Barack Obama zeigte sich alarmiert. „Die Vereinigten Staaten sind über das Urteil enttäuscht, einschließlich der unverhältnismäßigen Strafen, die erteilt wurden“, sagte ein Sprecher des Weißen Hauses. Auch wenn das Verhalten der Punk-Rockerinnen für einige Menschen einer Beleidigung gleichkomme, habe die US-Regierung „ernsthafte Bedenken wegen der Art und Weise, mit der diese jungen Frauen von dem russischen Justizsystem behandelt worden sind“.

Seite 1:

Entsetzen hier, Zustimmung da

Seite 2:

Festnahmen bei Protesten

Kommentare zu " Urteil gegen Pussy Riot: Entsetzen hier, Zustimmung da"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Diese durchgeknallten Weiber haben es verdient bestraft zu werden! Kann doch nicht sein dass die Menschen kein Glauben und kein Respekt mehr haben. In Russland ist die Religion geschichtlich gesehen sehr wichtig. Putin hat die Pussi Riot sicher nicht angezeigt, sondern die Kirche. Die gesetze sind in Russland generell härter als in Deutschland. Immerhin haben die keine Todesstrafe wie in den USA.

  • Das fand ich ganz zutreffend bei http://www.my-metropolis.eu/Nachrichtenticker/Nachrichtenticker.php :
    "Während die Systemmedien in ihrem Support für die - Zitat Chris Sedlmair - "Hooligan-Schlampen" - von "Pussy Riot" zu ungeahnter Höchstform auflaufen und gegen die russische Regierung hetzen, was das Zeug hält, verlieren sie zu ähnlichen Vorkommnissen in Deutschland, wo´s ebenfalls UNBEDINGTE HAFTSTRAFEN für die Protagonisten gab - KEIN EINZIGES KRITISCHES WÖRTCHEN - http://www.welt.de/print-welt/article646090/Erneut-Gefaengnisstrafen-fuer-Kirchenstoerer.html:
    "Erneut Gefängnisstrafen für Kirchenstörer, Randale in der Hedwigs-Kathedrale und in der Marienkirche: Andreas Roy muß für 17 Monate hinter Gitter, Christian Arnhold zehn Monate

    "Vielleicht kommt die Richterin ja auch mit einem Freispruch raus", sagte Kirchenstörer Andreas Roy unmittelbar vor der Urteilsverkündung. "Immerhin, die Sache ist in Gottes Hand." Wenn er das wirklich ernst meinte, müßte der 45jährige nun auch das Urteil der Tiergartener Amtsrichterin akzeptieren: 17 Monate Gefängnis wegen Störungen von Religionsausübung und einer Trauerfeier. Der 30 Jahre alte Sozialhilfeempfänger Christian Arnhold bekam zehn Monate. "
    Anmerkung: Was lernen wir wieder einmal vom Mainstream? - Kirche verwüsten, herumgrölen und Deppenaktionen starten in Russland GUT und GEWOLLT und Regierung GAAAANZ BÖÖÖSE, wenn GERICHTE die braaaaven und guuuuten "KÜNSTLER" BESTRAFEN - in Deutschland in Kirche und auf Friedhof herumgrölen GAAAANZ BÖÖÖÖSE, Gerichte gut, wenn sie diese bösen KRIMINELLEN verurteilen und die Regierung hat damit gar nichts zu tun ...
    Sagt mal - hört ihr euch SELBST beim SCHREIBEN noch zu???"

  • genau dazu ist er da , wie auch Rösler ,
    denn dann kann Mutti machen was sie will ;-)

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%