Urteil gegen US-Soldatin
Lynndie England kommt glimpflich davon

Die Fotos von Lynndie England, wie sie irakische Gefangene misshandelt, gingen um die Welt. Die Empörung war groß. Die Strafe, die sie nun dafür bekommt, ist jedoch aus Sicht der Ankläger klein. Für drei Jahre muss Lynndie England ins Gefängnis.

HB WASHINGTON. Mit ihrem Strafmaß blieb die Militärjury im texanischen Fort Hood am Dienstag deutlich hinter den von der Staatsanwaltschaft geforderten vier bis sechs Jahren zurück.

Die Misshandlungen der irakischen Gefangenen waren im Frühjahr 2004 durch Fotos öffentlich geworden. England ist auf vielen dieser Bilder zu sehen - unter anderem mit einem am Boden kriechenden Gefangenen an einer Hundeleine.

Die 22-Jährige hatte sich vor Gericht für ihre Taten entschuldigt. Sie habe den Rädelsführer der Gruppe, ihren damaligen Vorgesetzten Charles Graner, geliebt, ihm vertraut und sei am Ende nur ausgenutzt worden, sagte England nach US-Medienberichten. Graner war bereits zu einer zehnjährigen Haftstrafe verurteilt worden. Er ist Vater des knapp einjährigen Kindes von England.

Für den Schuldspruch hatte die fünfköpfige Geschworenenjury am Montag lediglich zwei Stunden benötigt, bevor sie England in sechs von sieben Anklagepunkten für schuldig befand: Verschwörung zur Misshandlung, Misshandlung in vier Fällen und unzüchtiges Verhalten. Letzterer Punkt bezieht sich auf einen Vorfall, der ebenfalls in einem Foto festgehalten wurde: England zeigt auf die Genitalien nackter Gefangener, die zum Masturbieren gezwungen werden.

In dem fünftägigen Prozess hatte die Verteidigung die Obergefreitin der Reserve als leicht beeinflussbare Frau mit psychischen Problemen beschrieben. Der Staatsanwaltschaft zufolge handelte Lynndie England jedoch aus freien Stücken und aus Spaß an der Quälerei.

Der Prozess war der zweite gegen die Soldatin im Zusammenhang mit den Vorgängen von Abu Ghoreib. Im ersten Verfahren im Mai hatte sie sich in einer Vereinbarung mit der Anklagebehörde schuldig bekannt und im Gegenzug die Zusicherung einer erheblichen Strafmilderung erhalten. Der zuständige Richter akzeptierte die Übereinkunft dann aber nicht, nachdem die Verteidigung verschiedene Zeugen - darunter Graner - aufgeboten hatte, die aussagten, England habe auf Anweisung von oben gehandelt. Das entziehe dem Schuldbekenntnis die Grundlage, befand der Richter.

US-Generalstabschef Richard Myers sagte zum Schuldspruch für England, die Misshandlungen hätten die gesamten Streitkräfte belastet, obwohl es sich um die Fehltritte einzelner handele. Das Urteil gegen England sei ein weiteres Beispiel dafür, „dass die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen werden“.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%