Urteil in China
Hohe Sicherheitsvorkehrungen im Prozess um Bo

Geht es nur um einen Mordprozess oder steckt viel mehr dahinter? Das Verfahren gegen die Frau des gestürzten chinesischen Polit-Stars Bo Xilai wirft viele Fragen auf. Am Montag soll das Urteil im Mordprozess fallen.
  • 0

PekingWenige Stunden vor der Urteilsverkündung gegen die wegen Mordes angeklagte Ehefrau des entmachteten chinesischen Politikers Bo Xilai sind die Sicherheitsvorkehrungen in der Stadt Hefei verstärkt worden. An beiden Seiten des Gerichtsgebäudes parkten mindestens ein halbes Dutzend Fahrzeuge des Sondereinsatzkommandos, die Straße vor dem Gericht wurde abgeriegelt. Polizisten umstellten das Gebäude, in dem voraussichtlich gegen 5.00 Uhr (deutsche Zeit) das Urteil fällt.

Gu Kailai und ein als Komplize mitbeschuldigter Hausangestellter sollen den britischen Geschäftsmann Neil Heywood getötet haben. Laut staatlichen Medienberichten haben sie das Verbrechen bereits gestanden. Hintergrund soll ein Streit um Geld gewesen sein. Gu droht die Todesstrafe.

Der Anwalt der Familie Heywoods, He Zhengsheng, sagte: "Wir warten auf das Urteil des Gerichts. Wir respektieren die Entscheidung des Gerichts...Ich denke, das Urteil wird fair und gerecht ausfallen.".

Der Polit-Krimi um den gestürzten Spitzenpolitiker Bo Xilai und seine angeklagte Frau Gu Kailai hätte für Chinas Führung zu kaum einem ungünstigeren Zeitpunkt kommen können. Eigentlich wollte die KP sich in Ruhe auf den im Herbst geplanten Parteitag vorbereiten und dort einen sanften Generationswechsel vollziehen. Bo Xilai spielte dabei eine wichtige Rolle: Der 63 Jahre alte „Prinzling“ war einer der Favoriten, um in das höchste Machtgremium - den Ständigen Ausschuss des Politbüros - aufzurücken.

Die Affäre rund um den Giftmord an dem britischen Geschäftsmann Neil Heywood brachte Bo jedoch zu Fall und stürzte die chinesische Parteiführung in ihre schwerste Krise seit mehr als zwei Jahrzehnten. Welche Rolle hat Bo Xilai aber genau gespielt? Seit seiner Absetzung als Parteichef der Stadt Chongqing und seinem Ausschluss aus dem Politbüro schießen Spekulationen ins Kraut.

Bos Sturz war vor allem ein schwerer Schlag für die „neue Linke“ in der Kommunistischen Partei. Wegen seiner „roten“ Kampagne und seiner neo-maoistischen Linie war er zur Galionsfigur der linkskonservativen Kräfte geworden. Mit seiner Hilfe hofften sie, ihren Einfluss auszuweiten und sich gegen den marktorientierten Kurs der Reformer stemmen zu können. Nicht jedem in Peking gefiel das.

Die englischsprachige Zeitung „Global Times“ schrieb, Bos Fall sei die Folge seines „überhöhten Drangs nach Einfluss“. Seine guten Beziehungen zu anderen „Prinzlingen„, wie die Kinder von Chinas Parteihelden genannt werden, und zu mehreren Generälen ließen Gerüchte aufkommen, um Bo habe sich eine linke Parteifraktion geformt, die nach mehr Macht strebe.

Seite 1:

Hohe Sicherheitsvorkehrungen im Prozess um Bo

Seite 2:

Mehr Fragen als Antworten

Kommentare zu " Urteil in China: Hohe Sicherheitsvorkehrungen im Prozess um Bo"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%