US-Abhängigkeit Investoren kehren Lateinamerika den Rücken

Die internationalen Investoren kehren Lateinamerika den Rücken. Nach Schätzungen der Uno-Wirtschaftskommission für Lateinamerika Cepal brechen die ausländischen Direktinvestitionen (FDI) in diesem Jahr regelrecht ein. Bis zu 45 Prozent weniger Geld als noch 2008 werde in die Region fließen. Besonders betroffen sind demnach die Länder Zentralamerikas und Mexiko, da sie besonders von den USA abhängig sind.
  • Klaus Ehringfeld
Tijuana - Grenze zu den USA: In Mexiko macht sich besonders der Einbruch im US-Tourismus negativ bemerkbar. Quelle: ap

Tijuana - Grenze zu den USA: In Mexiko macht sich besonders der Einbruch im US-Tourismus negativ bemerkbar.

(Foto: ap)

MEXIKO-STADT. Der Einbruch falle auch deshalb so drastisch aus, da die Region im vergangenen Jahr mit 128 Mrd. Dollar Direktinvestitionen einen Rekord erreicht hatte, sagte Cepal-Generalsekretärin Alicia Bárcena. Denn die Grundlagen für den hohen Kapitalzufluss seien zumeist bereits vor dem Beginn der globalen Wirtschafts- und Finanzkrise gelegt worden.

So ist nach Auffassung der Cepal das gute Abschneiden Lateinamerikas mit den hohen Preisen für Rohstoffe auf der einen und dem kräftigen Wachstum einiger Schwellenländer der Region auf der anderen Seite zu erklären. Gegenüber 2007 konnten die ausländischen Direktinvestitionen in Süd- und Zentralamerika noch ein Plus von 13 Prozent verzeichnen, während sie weltweit bereits um 15 Prozent gesunken waren.

Schon 2008 aber war ein deutlicher Graben zwischen den Staaten Südamerikas auf der einen und denen Zentralamerikas und Mexiko auf der anderen Seite zu spüren. In Südamerika, wo die Staaten mehr Rohstoffe besitzen, legten die FDI um 24 Prozent zu und beliefen sich auf 89,68 Mrd. Dollar. Dagegen fielen sie in Mexiko, der Karibik und Zentralamerika bereits um fünf Prozent auf nur 38,43 Mrd. Dollar. Die vor allem auf Lohnveredelung spezialisierten Länder zwischen Mexiko und Costa Rica spüren die Auswirkungen der Wirtschaftskrise schneller und deutlicher. Zudem macht sich vor allem in Mexiko der Einbruch im US-Tourismus negativ bemerkbar.

Hauptempfängerländer für die Direktinvestitionen waren 2008 Brasilien mit 45 Mrd. Dollar (plus 30 Prozent) und Mexiko mit 21,9 Mrd. Dollar (minus 22 Prozent). Beide Staaten konzentrieren damit fast die Hälfte sämtlicher ausländischer Direktinvestitionen auf sich in Lateinamerika. Nach den beiden größten Volkswirtschaften der Region genießen Chile mit 16,7 und Kolumbien mit 19,5 Mrd. Dollar das meiste Vertrauen bei den internationalen Investitionen.

Hauptinvestoren in Lateinamerika sind mit großem Abstand die USA (24 Prozent des Volumens), gefolgt von Spanien (neun Prozent). Aufgeholt haben Kanada (acht Prozent) und Japan (sechs Prozent), die stark in den Rohstoffsektor vor allem in Südamerika investiert haben.

Der Einbruch der Auslandsinvestitionen geht einher mit einem deutlichen Rückgang des Wachstums in Lateinamerika. Der Internationale Währungsfonds sagt nur einen Anstieg des Bruttoinlandsprodukts von 0,5 bis 1,0 Prozent vorher. Vor allem Brasilien und Mexiko werden mit einer Schrumpfung ihrer Wirtschaftskraft die gesamte Region nach unten ziehen. In den sechs Jahren zuvor war Lateinamerika durchschnittlich rund 4,8 Prozent pro Jahr gewachsen.

Dramatisch stellt sich die Situation in Mexiko dar. Die zweitgrößte Volkswirtschaft Lateinamerikas wird regelrecht abstürzen. Mexikos Zentralbank Banxico taxierte das Minus der Wirtschaftskraft auf 4,8 Prozent. Damit bildet Mexiko mit Abstand das Schlusslicht in Lateinamerika.

Die wichtigsten Neuigkeiten jeden Morgen in Ihrem Posteingang.
Startseite
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%