US-Abwehrsystem
Nato will Raketenstreit entschärfen

Das geplante Raketenabwehrsystem der USA in Europa lässt in Brüssel die Alarmglocken schrillen. Russland droht mit Gegenmaßnahmen, sollt das US-System wie geplant in Polen und Tschechien aufgebaut werden. Nun hat sich die Nato in den Streit eingeschaltet.

BRÜSSEL / WARSCHAU. Am gestrigen Dienstag empfing Nato-Generalsekretär Jaap de Hoop Scheffer den neuen polnischen Verteidigungsminister Aleksander Szczyglo in Brüssel. Ergebnisse des Treffens wurden zunächst nicht bekannt. In Brüsseler Nato-Kreisen hieß es jedoch, Scheffer wolle sich um eine Entschärfung des Raketenstreits bemühen. Russland hatte mit Gegenmaßnahmen gedroht, falls das US-System wie geplant in Polen und Tschechien aufgebaut werden sollte.

Bisher hat sich die Nato nur um die so genannte taktische Raketenabwehr zum Schutz ihrer Truppen gekümmert. Das geplante neue US-System zur Abwehr strategischer Bedrohungen etwa aus Nordkorea oder Iran wurde hingegen als bilaterales Problem behandelt. Das hat sich nun schlagartig geändert: In Brüssel schrillen die Alarmglocken, seit der Befehlshaber der strategischen russischen Raketentruppen, Nikolaj Solowzow, am Montag erstmals damit drohte, Polen und Tschechien ins Visier zu nehmen. Auch die geplante Stationierung neuer russischer Interkontinentalraketen sorgt für Unmut.

Ein Nato-Sprecher sagte: „Die Tage, in denen von Angriffen auf Nato-Gebiet oder umgekehrt gesprochen wurde, liegen lange hinter uns. Diese Art übertriebener Sprache ist altmodisch und deplatziert.“ Generalsekretär Scheffer werde versuchen, einzelne Länder aus der Schusslinie zu holen und den Streit auf Nato-Ebene zu ziehen, hieß es in Brüssel. Vor allem der 2002 gegründete, halbjährlich tagende Nato-Russland-Rat soll für Klärung und Entspannung sorgen.

Allerdings zeigte Russlands Verteidigungsminister Sergej Iwanow beim letzten Treffen mit seinen 26 Nato-Kollegen Anfang Februar in Sevilla wenig Neigung, einzulenken. Wenn Washington versuche, Moskau einen neuen Rüstungswettlauf aufzuzwingen, werde dies nicht gelingen, sagte Iwanow. Russland werde „eigene strategischen Systeme entwickeln, die in der Lage sein werden, jedes Abwehrsystem zu überwinden.“

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