US-Armee im Irak
Petraeus will volle Truppenstärke bis 2008

Der US-Oberkommandierende im Irak, General David Petraeus, hat den Beginn des Abzugs amerikanischer Soldaten erst für Sommer kommenden Jahres vorgeschlagen. Dabei betonte der General seine Unabhängigkeit: Sein Bericht sei nicht von Präsident George W. Bush „abgesegnet“ worden.

mzi WASHINGTON. Die militärischen Ziele seien „weitgehend erreicht worden“, sagte Petraeus am Montag bei Anhörung im US-Kongress. Um die Erfolge stabilisieren zu können, sollte die zusätzliche Truppenstärke von 30 000 Soldaten aber noch bis zum Sommer 2008 beibehalten werden. Danach könnte auf das Niveau vor der Truppenaufstockung – rund 130 000 Mann – reduziert werden.

Damit sprach sich Petraeus gegen einen vorzeitigen Abzug aus. Dieser war nicht nur von der Politik immer wieder ins Spiel gebracht worden. Auch der Chef des US-Zentralkommandos, Admiral William J. Fallon, hatte auf einen zumindest geringen Rückzug von Truppen schon in den nächsten Monaten gedrängt. Die Anhörung war mit Spannung erwartet worden, da die Einschätzungen von Petraeus und Botschafter Ryan Crocker als entscheidend für den weiteren Kurs im Irak gelten.

Petraeus hatte vor allem die Erfolge in der Anbar-Provinz hervorgehoben. Dort haben sich sunnitische Stammesführer und deren Einheiten mit US-Truppen im Kampf gegen El Kaida zusammengeschlossen. Vor diesem Hintergrund erkläre sich auch der Rückgang der Anschläge im Irak. Petraeus räumte aber auch ein, dass die Verbesserungen „ungleich“ seien. „Die Situation im Irak ist komplex, schwierig und zeitweise schlichtweg frustrierend“, sagte Petraeus. „Aber dennoch glaube ich, dass wir mit der Zeit unsere Ziele erreichen können – auch wenn dies weder schnell noch einfach sein wird“, sagte der General.

Die Anhörung war immer wieder von Störern unterbrochen worden. Der Vorsitzende des Streitkräfte-Ausschusses des Abgeordnetenhauses, Ike Skelton, hatte sich zu Beginn skeptisch gezeigt, was Erfolgsmeldungen aus dem Irak betrifft. Vor allem aber kritisierte der demokratische Abgeordnete die irakische Regierung, die ihre Aufgaben nicht erfüllt habe.

Für die US-Armee steht im Irak ihre Glaubwürdigkeit auf dem Spiel. Denn die ist trotz der anhaltenden Kritik am Irak selbst unvermindert hoch. Nach einer Umfrage von CBS und New York Times vertrauen die Menschen in den USA ihren Streitkräften weit mehr als dem Weißen Haus und dem US-Kongress. So glauben lediglich fünf Prozent der Amerikaner, dass der Präsident den Irak-Konflikt lösen kann, und auch nur 35 Prozent trauen dies dem Kongress zu. Dem US-Militär indes vertrauen knapp 70 Prozent. Nach Einschätzung von politischen Beobachtern ist genau dies auch der Grund, warum die Regierung einen Militär – General David Petraeus – zum Kronzeugen erhoben hat. Denn Petraeus verfügt über einen Vertrauenskredit, den die Politik längst nicht mehr hat.

Dabei bleibt trotz jüngster militärischer Positivmeldungen aus dem Irak die Stimmung in den USA skeptisch bis negativ. In der CBS/New York Times-Umfrage gaben 62 Prozent an, der Krieg sei ein Fehler gewesen und 59 Prozent glauben, er sei es nicht wert, dass dort Amerikaner ihr Leben opferten. In der Konsequenz fordern knapp zwei Drittel einen Abzug oder zumindest einen Teilrückzug aus dem Irak. Bei aller Klarheit geht gleichzeitig aber auch aus den Antworten hervor, wie sensibel das Thema ist. Gefragt, ob der nächste US-Präsident für oder gegen einen Truppenabzug sein soll, entscheiden sich die über 70 Prozent für eine dritte Variante: Was einen Truppenabzug angeht, so soll der Nachfolger von George W. Bush eine möglichst flexible Haltung einnehmen.

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