US-Außenminister in Kiew
Neue Gewalt in Ostukraine überschattet Kerry-Besuch

Kurz vor dem Besuch von US-Außenminister John Kerry spitzt sich die Lage in der Ostukraine weiter zu. Nach dem Krankenhausbeschuss schlagen in Donezks Raketen ein. Die Sadt Debalzewe soll unter Dauerbeschuss stehen.
  • 5

DonezkDie Gefechte im Osten der Ukraine überschatten den Besuch von US-Außenminister John Kerry am Donnerstag in Kiew: Nach dem Beschuss eines Krankenhauses in der Rebellenhochburg schlugen am Abend Raketen im Südwesten der Stadt ein, wie ein AFP-Korrespondent am Mittwoch berichtete. Bei dem Angriff auf die Klinik wurden vier Zivilisten getötet. Die ukrainische Staatsanwaltschaft machte die Rebellen dafür verantwortlich.

Nordwestlich von Donezk setzten die Separatisten ihre Offensive fort. Prorussische Kämpfer rückten weiter auf die von der ukrainischen Armee kontrollierte Stadt Debalzewe vor. Der Ort stehe unter Dauerbeschuss, sagte ein Vertreter des Innenministeriums. „Wir versuchen, Medikamente reinzubringen und die Zivilisten unter feindlichem Feuer in Sicherheit zu schaffen.“

Der Bahnknotenpunkt zwischen Donezk und Lugansk ist seit einer Woche heftig umkämpft. Die Rebellen versuchen, die ukrainischen Truppen dort einzuschließen. Die ukrainische Armee erklärte, die Separatisten hätten einen Infanterieangriff gestartet, seien jedoch nach fünf Stunden zurückgeschlagen worden. Demnach wurden binnen 24 Stunden vier Soldaten getötet und 25 weitere verletzt. Zudem gab es acht zivile Opfer.

Seit vergangenem Frühjahr wurden in der Ostukraine mehr als 5350 Menschen getötet. Die Kämpfe zwischen ukrainischen Regierungstruppen und prorussischen Rebellen hatten zuletzt wieder an Schärfe zugenommen, auch Zivilisten gerieten zunehmend unter Beschuss.

Moskau wird vorgeworfen, die Separatisten mit Waffen und Kämpfern zu unterstützen, streitet dies aber ab. Die EU und die USA haben Sanktionen gegen die russische Wirtschaft und Vertraute von Russlands Präsident Wladimir Putin verhängt.

Kerry reist am Donnerstag nach Kiew, um der ukrainischen Regierung seine Unterstützung zuzusichern. Vorgesehen sind Gespräche mit seinem Kollegen Pawlo Klimkin sowie mit dem Präsidenten Petro Poroschenko und dem Regierungschef Arseni Jazenjuk.

Nach Angaben des US-Außenministeriums soll bei den Gesprächen erörtert werden, wie sich die angespannte Lage in der Ukraine deeskalieren lässt. Kiew erhofft sich von den USA die Lieferung von Waffen. US-Präsident Barack Obama lehnt dies bislang ab.

„Wir haben von Beginn an gesagt, dass es für diese Krise keine militärische Lösung gibt“, sagte auch US-Vizepräsident Joe Biden „Süddeutschen Zeitung“ vom Donnerstag. „Wir haben kein Interesse an einer militärischen Eskalation und dringen darauf, dass das Gegenteil eintritt.“

Obamas Kandidat für das Amt des Verteidigungsministers ließ am Mittwoch jedoch seine Unterstützung für Waffenlieferungen an die Ukraine erkennen.

Agentur
afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " US-Außenminister in Kiew: Neue Gewalt in Ostukraine überschattet Kerry-Besuch"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • @ elly müller

    Fakt ist, die Krim wurde 1954 an die Ukraine, damals USSR – Teil der Sovjetunion, „übergeben“. Ohne die Menschen zu fragen, abgesehen von irgend welchem Referendum. Chrustschow tat es, um an der Macht zu bleiben. Ist selbst ein Ukrainer und benötigte damals Unterstützer seiner Position/ Person. Und nur weil früher alles Sovjetunion war, hat sich niemand dazu geäußert oder protestiert. Aber auch in der jetzigen Ukraine war Krim immer eine eigenständige Region, man hatte sich nie heimisch gefüllt und wurde von der Kiever Regierung immer so behandelt. Und jetzt, als die Krimer Bürger am 16.03.2014 sich in einem Referendum mit überwältigender Mehrheit von über 96% für den Anschluss an Russland entschieden haben, ist Krim ukrainisch. 60 Jahre war es ein Randgebiet, ein Anhänsel, wo Gelder abgezogen wurden, ethnische Probleme ignoriert wurden, jetzt will man es zurück!

    Aber um rechtlich alles zu einem Nenner zu bringen, war eine Übergabe eines Gebiets, Region überhaupt legitim? Kann man Menschen an ein anderes Land „übergeben“? Was sagt das internationale Recht dazu? Ist die Entscheidung des Volkes keine demokratische Entscheidung? Wer setzt den Zeitpunkt, ab wann etwas rechtens ist und ab wann nicht? Oder bleibt etwas unrechtmäßiges immer etwas unrechtmäßiges, egal, wie viel Zeit seit dem verstrichen ist!?

  • Das Referendum auf der Krim wäre bestimmt demokratisch von Statten gegangen wenn ukrainische Soldaten und Milizen oder Söldner aus Kiew den Bürgern bei der Wahl über die Schulter geschaut hätten...

    die Ukraine ist kein unabhängiges Land und wurde auch nicht von Russland in irgendeinen Krieg hineingetragen.

    Nachdem die Menschen in Kiew auf die Straßen gegangen sind und öffentliche Gebäude und Behörden besetzt hatten, hatte man in Donezk das gleiche gemacht. Daraufhin schickte die neue Putschregierung aus Kiew die ersten Soldaten um die Demonstranten gewaltsam zu vertreiben.

    "Wer einmal lügt dem glaubt man nicht" und deswegen glauben Sie nachdem wir im Irak keine Atomwaffen gefunden haben, dass ausschließlich Russland seine Finger im Spiel hat und wir der Westen völlig unschuldig.

    Gelogen wird im Krieg immer. Propaganda gibt es immer auf beiden Seiten. Das gleiche was im russischen Fernsehen läuft, kommt auch in den USA oder in der Ukraine.

    Wenn wir der Westen wirklich Frieden wöllten, würden wir Friedenstruppen zwischen die Frontlinien schicken und die beiden Parteien zum Dialog zwingen.
    Poroschenko ist nicht am Frieden interessiert. Auch interessiert den Milliardär sein Volk nicht, eigene Mittel investiert er nicht. Donezk wird bombardiert und wir wundern uns nur dass die Separatisten zurückschlagen. Kiew werden Geld, Söldner und Waffen in den Hintern geblasen und wir regen uns über russische Truppen und Waffen auf... in diesem Konflikt gibt es keinen "Guten".

  • @John smidt

    Sie wissen ja bestens Bescheid!
    Fakt ist, Putin hat die Krim einverleibt! Die Krim gehört zur Ukraine! Gelogen hat er da schon als er behauptete, dass keine russischen Soldaten auf der Krim da mitmachen! Nachdem alles unter Dach und Fach war hat er zugegeben, dass Soldaten der russischen Armee natürlich dabei waren!

    Wer einmal lügt dem glaubt man nicht! Putin lügt seine Leute ständig an! Das scheinen die Separatisten ebenfalls so zu sehen und machen da kräftig mit!

    Die Ukraine ist ein unabhängiges Land in dem von Russland der Krieg hineingetragen wurde.

    Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte bleiben Sie sachlich.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%