US-Außenminister
Kerry warnt vor „Völkermord“ im Südsudan

Ethnisch motivierte Tötungen, Blockade humanitärer Hilfe: US-Außenminister John Kerry sorgt sich um den blutigen Konflikt im Südsudan und kündigt Sanktionen an. Eine militärische Lösung schließt er aber aus.
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Addis AbebaUS-Außenminister John Kerry hat vor einem „Völkermord“ im Südsudan gewarnt und den Konfliktparteien Sanktionen angedroht, sollten sie die Kämpfe nicht beenden. Bei einem Besuch in der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba sagte er am Donnerstag, es gebe „verstörende Anzeichen“ ethnisch motivierter und gezielt nationalistischer Tötungen. „Wenn diese andauern, stellt das die internationale Gemeinschaft vor ernste Herausforderungen hinsichtlich eines Völkermordes.“

Die Verantwortlichen dieser gezielten Tötungen müssten vor Gericht gestellt werden, sagte Kerry, der zuvor mit seinen Kollegen aus Äthiopien, Kenia und Uganda Gespräche geführt hatte. „Wir erwägen Sanktionen gegen diejenigen, die Menschenrechte verletzen und humanitäre Hilfe blockieren.“ Die Konfliktparteien um Präsident Salva Kiir auf der einen und seinen Rivalen und früheren Stellvertreter Riek Machar auf der anderen Seite forderte er auf, die Gewalt in dem jungen Staat zu beenden.

Der blutige Konflikt im Südsudan mit tausenden Toten beschäftigt die Afrikanische Union (AU), die in Addis Abeba ihren Sitz hat, seit Monaten. Die AU versucht, zwischen Vertretern der Kriegsparteien zu vermitteln - bislang ohne eine Aussicht auf eine friedliche Lösung des Konflikts. Zusätzlich angeheizt wird die Krise von Rivalitäten der Volksgruppen der Dinka und der Nuer. Kiir gehört den Dinka an, Machar gehört zur Volksgruppe der Nuer.

Kerry sagte in Addis Abeba, der Kern des Konflikts in dem erst 2011 gegründeten Staat sei eine persönliche Fehde zwischen Kiir und Machar. Beide Lager seien der Auffassung, diesen militärisch austragen zu können. „Doch es gibt keine militärische Lösung.“ Washington werde daher „harte Botschaften“ senden, sollten die Rivalen keine Maßnahmen für ein Ende der Gewalt ergreifen, sagte Kerry, ohne Details möglicher Sanktionen zu nennen. Zugleich warnte er vor einer schweren Hungersnot, die wegen der Kämpfe ausbrechen könnte.

Auch der UN-Gesandte Adama Dieng hatte am Mittwoch in der südsudanesischen Hauptstadt Juba bereits vor einem Völkermord wie vor 20 Jahren in Ruanda gewarnt, ähnlich äußerten sich mehrere Menschenrechtsgruppen. Durch den Genozid in Ruanda waren 1994 rund 800.000 Menschen getötet worden. Die meisten Opfer waren Angehörige der Bevölkerungsminderheit der Tutsi, die von Angehörigen der Hutu umgebracht wurden.

Kerry hatte seit der Eskalation des Konflikts Ende 2013 bereits mehrfach mit den Anführern beider Seiten verhandelt und zeigte sich nun „offen gestanden enttäuscht von deren Antworten“. Der lange schwelende Machtkampf zwischen Kiir und Machar war im Dezember eskaliert. Gleichzeitig traten die Rivalitäten der Volksgruppen wieder offen zutage.

Kerry wollte im Zuge seiner mehrtägigen Afrikareise auch in die Demokratische Republik Kongo und nach Angola reisen. Ihn dürften dabei auch die Konflikte im Kongo sowie in Somalia und in der Zentralafrikanischen Republik beschäftigen.

afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur

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