US-Außenpolitik
Obama steht vor einem Scherbenhaufen

Ein weiterer Minuspunkt in der außenpolitischen Bilanz: Zwar profitierten Obamas Sympathiewerte von der Absage an Putin, die Beziehungen zu Russland bleiben schlecht. Schuld ist nicht nur das Snowden-Debakel.
  • 11

WashingtonDas mit dem „Reset“ – dem von US-Präsident Barack Obama erhofften „Neustart“ im amerikanisch-russischen Verhältnis – lief von Anfang an nicht so richtig rund. Als die damalige US-Außenministerin Hillary Clinton ihrem russischen Amtskollegen Sergej Lawrow im März 2009 symbolisch einen roten Plastikknopf überreichte, prangte darauf in Russisch das Wort „Überlastung“. Irgendjemand im Washingtoner State Department hatte sich einen Freud'schen Übersetzungsfehler erlaubt – oder eine böse Vorahnung gehabt. Denn Obamas „Reset“-Politik ist nach seiner Absage des Treffens mit Kremlchef Wladimir Putin nun endgültig gescheitert.

Daheim erhielt der US-Präsident für seine brüske Stornierung der Reise nach Moskau viel Lob – dem „Schulhofschläger“ Putin musste es mal gezeigt werden, jubelte ein demokratischer Senator. Doch für Obamas außenpolitische Ambitionen ist das diplomatische Fiasko ein weiteres Glied in einer langen Kette von Rückschlägen. Was auch immer er bei seinem Amtsantritt vor gut viereinhalb Jahren als seine Ziele ausgab – von einer atomwaffenfreien Welt über Frieden in Nahost bis zur Versöhnung mit der muslimischen Welt – gelungen ist ihm davon kaum etwas. Experten in Washington sprechen immer vernehmlicher von einer „gescheiterten Außenpolitik“.

Die russisch-amerikanischen Beziehungen stehen am Scheideweg. Bei einem Treffen der Außen- und Verteidigungsminister beider Länder am heutigen Freitag in Washington muss sich klären, ob die USA und Russland bei internationalen Krisenherden sowie bei Terrorbekämpfung und Abrüstung überhaupt noch gemeinsam handlungsfähig sind. Nach der Absage eines Treffens mit Kremlchef Wladimir Putin in Moskau stellt sich US-Präsident Barack Obama am Abend den Fragen von Journalisten. Obamas dürfte Hinweise geben, wie schlecht es um das Verhältnis mit Moskau tatsächlich steht.

Die Abfuhr, die Obama dem Kremlchef mit der Absage eines Treffens vor und auch während des G20-Gipfels in Russland Anfang September erteilt hatte, soll nach US-Angaben nicht thematisiert werden.

„Obama wollte nicht weniger als den Bogen der Geschichte zur Gerechtigkeit neigen, zu einer friedlicheren und stabileren Welt“, urteilte das renommierte Washingtoner Institut Brookings in einer Zwischenbilanz zu Obamas Außenpolitik. Ergebnisse habe er dabei kaum erzielt, stattdessen seinen Gegnern öfter den Eindruck vermittelt, auf diesem Gebiet ein schwacher, wenn nicht inkompetenter Präsident zu sein. Der Versuch, feindlich gestimmten Staaten wie Russland, dem Iran oder China die Hand zu erreichen, habe dazu geführt, die guten alten Verbündeten in Europa oder Israel zu entfremden. Ein hoher Preis für eine bislang dürre Ernte.

Schon im Wahlkampf für die zweite Amtszeit hatten Obamas Berater Probleme, außenpolitische Erfolge ihres Kandidaten für die Werbeplakate aufzutreiben. Die Tötung des Al-Kaida-Führers Osama bin Laden und das Ende des Irak-Krieges genügten zwar – beide Prozesse hatten aber unter seinem Vorgänger George W. Bush begonnen. Vorwürfe der Republikaner, der Oberbefehlshaber der mächtigsten Armee sei zu weich und zaghaft, konnte Obama indes kaum kontern. Stattdessen stellte er die Konservativen als weltfremde Kriegstreiber dar. Heute fragen sich Kommentatoren, ob man den Herausforderer Mitt Romney nicht hätte ernster nehmen müssen, als er Russland „den größten geopolitischen Feind“ nannte und einen härteren Kurs gegen den Iran verlangte.

Seite 1:

Obama steht vor einem Scherbenhaufen

Seite 2:

Experten kritisieren neuen Kurs der US-Außenpolitik

Kommentare zu " US-Außenpolitik: Obama steht vor einem Scherbenhaufen"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • @hafnersp

    Ich stimme da weit mit Ihnen überein. In einem Punkt aber bin ich anderer Meinung: Die USA und GB bilden weiterhin eine Einheit unter der meistunterschätzten Dame der Welt, der Queen. Diesen hängt dann noch Australien als Satellit hinten dran.
    Gerüchteweise soll es viele Gespräche zwischen Merkel und Putin gegeben haben. Möglicherweise sollte Deutschland sich an China und Russland halten. Dass unsere "Freunde" nicht im Westen sitzen, sollte Deutschland ja so langsam verstanden haben.
    Sollte die Dame Merkel tatsächlich Alternativen im Osten ausloten, so würde ich ihr sogar Respekt zollen...

  • Obama steht vor keinem Scherbenhaufen.Obama ist eine willfährige Marionette der NWO.Und die Pläne der NWO laufen alle prima.
    Ob die USA dabei pleite gehen ,interessiert die NWO nicht.Die NWO hält die US-Army als Privatarmee die die US-Bürger bezahlen und auch dort verheizt werden.
    Die diversen Senatoren und Abgeordneten sind allesamt NWO -Büttel.

  • @Karandasch

    Vorsicht! Totgesagt leben länger.

    Um die Jahrhundertwende zum 20 Jahrhundert war Deutschland (und die USA) die aufstrebenden Mächte, drauf und dran die damalige Supermacht, das Empire, zu überholen. Deutschland wurde jedenfalls durch den 1 Weltkrieg ausgestoppt.

    Letztlich wurde das Empire (und die Weltwährung Pfund) zwar von den USA (und dem Dollar) überrundet, aber das erfolgte so richtig erst nach dem 2. Weltkrieg und mehr oder weniger im gegenseitigen Einvernehmen (oder zynischer formuliert: die anglo-amerikanischen Eliten haben den Wirtskörper gewechselt).

    Die Gefahr ist jetzt wirklich, daß China und andere (möglicherweise wieder) aufstrebende Mächte "ausgestoppt" werden sollen. Hier wird gezündelt, (insbesondere im Nahen Osten, Nordafrika: Stichwort Rohstoff-Kontrolle und Kontrolle der Weltwährung) im Zeitalter von Atombomben!

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%