US-Banken haben sich auf den Ernstfall vorbereitet
Wall Street arbeitet im Schatten des Terrors

Demonstrativ eröffnete Bürgermeister Michael Bloomberg am Montag den Handel an der New Yorker Börse. Er kündigte an, die Sicherheitsmaßnahmen auch mit Blick auf den Ende des Monats in New York stattfindenden Parteitag der Republikaner noch einmal zu verstärken.

tor/po/noh NEW YORK/FRANKFURT. Nach der jüngsten Warnung vor Terroranschlägen gegen wichtige Finanzinstitutionen in den USA sind die Sicherheitsvorkehrungen insbesondere rund um die Wall Street noch einmal verschärft worden. Mit Hilfe von Straßenkontrollen, Barrikaden und Spürhunden im New Yorker Finanzdistrikt wollen die Behörden verhindern, dass Attentäter zum Beispiel mit einer Autobombe in die Nähe der bedrohten Gebäude gelangen.

Betroffen sind davon in Manhattan die New Yorker Börse und das Hauptquartier der Citigroup in Midtown. In New Jersey wurde die Zentrale von Prudential Financial, in Washington wurden die Gebäude der Weltbank und des Internationalen Währungsfonds abgesichert. „In den kommenden Tagen und Wochen werden weitere Sicherheitsmaßnahmen ergriffen“, kündigte Joe Petro, Direktor für Sicherheit bei der Citigroup, in einer E-Mail an alle Beschäftigten des weltgrößten Finanzkonzerns an. Bereits gestern mussten Mitarbeiter und Besucher neben ihrem Ausweis auch ihre Taschen vor Betreten der Konzernzentrale in der 53. Straße vorzeigen. Schwer bewaffnete Polizisten bewachten den 59 Stockwerke hohen Wolkenkratzer. Auch an der New Yorker Börse in Downtown kontrollieren Polizisten alle Lieferwagen, Spürhunde suchen nach Sprengstoff, Betonbarrikaden und Spezialeinheiten der Polizei versperren den Weg zur Börse. Auch die Investmentbank Goldman Sachs, nur einen Steinwurf von der Börse entfernt, hat inzwischen die Zufahrten blockiert.

Doch ebenso wichtig wie der äußere Schutz der Gebäude sind Vorkehrungen, um das wichtigste Finanzzentrum der Welt im Notfall am Leben zu halten. Ist es doch das Ziel von El Kaida, das Nervenzentrum der Weltwirtschaft lahm zu legen. Die Anschläge vom 11. September haben gezeigt, dass vor allem die Handelsräume und Abrechnungszentren der Großbanken verwundbar sind. So konnte damals die Bank of New York kurzfristig nicht als Clearingstelle fungieren. Die US-Behörden haben daraufhin alle Finanzhäuser aufgefordert, Ausweichstandorte in mindestens 300 Meilen Entfernung von der New Yorker Innenstadt einzurichten. Die meisten Banken haben das inzwischen getan und Notfallkapazitäten nach Pennsylvania oder gar Florida ausgelagert. „Wir sind seit 2001 in Alarmbereitschaft und auf den Ernstfall vorbereitet“, sagte der Sprecher einer Großbank.

Die Investmentbank Lehman Brothers hat sich nach dem 11. September aus dem Finanzdistrikt zurückgezogen und ihr Hauptquartier nach Midtown verlagert. Über seine Sicherheitsvorkehrungen redet Konzernchef Richard Fuld nicht. In der Bankenszene heißt es jedoch, dass Lehman sein Gebäude selbst gegen eine Nuklearattacke geschützt hat.

Auch die deutschen Banken haben ihre Hausaufgaben gemacht: Keine der internationalen Großbanken würde ausfallen, selbst wenn sie Ziel eines Anschlags werden sollten. Dies hat zwei Gründe: Zum einen lassen all diese Banken seit den Anschlägen vom 11. September so genannte Back-up-Systeme parallel mitlaufen, die übergangslos einspringen können, wenn die Hauptsysteme betroffen sind. Zum anderen ist die Abwicklung über die Rechenzentren dezentralisiert worden. Sollte zum Beispiel das Rechenzentrum der Deutschen Bank in New York beeinträchtigt sein, läuft die Abwicklung über London, Frankfurt und Tokio. Das habe sich schon nach dem 11. September 2001 bewährt, heißt es.

„Die Notfallsysteme der Banken sind auch Gegenstand von Sonderprüfungen durch die BaFin“, sagte eine Sprecherin der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin). Gravierende Mängel bei den Sicherheitssystemen und Notfallplänen gibt es offensichtlich nicht. Als gutes Zeichen werten Experten, dass die Ausweichsysteme schon bei den Anschlägen vom 11. September funktioniert hätten. Auch die Europäische Zentralbank sieht sich gut gerüstet: Es sei gewährleistet, dass der „Zahlungsverkehr auch in Krisenzeiten reibungslos funktioniert“.

Quelle: Handelsblatt

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