US-Bodentruppen gegen IS
Wann kehren die GIs zurück?

Die Terrormiliz Islamischer Staat in Syrien und Irak kann ohne Bodentruppen nicht besiegt werden, sagen Experten. Doch US-Präsident Obama schließt GIs im Irak aus. Ein hochrangiger US-General bricht jetzt das Tabu.
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DüsseldorfDer Westen fährt hartes Geschütz auf – verbal zuerst einmal. US-Präsident Barack Obama drohte der Terrorgruppe Islamischer Staat (IS), die Enthauptung US-amerikanischer Staatsbürger sei ein „strategischer Fehler“ der Miliz gewesen. Amerika und seine Verbündeten würden den IS „vernichten“ – allerdings ohne US-Bodentruppen im Irak. Obama tritt allen Spekulationen entgegen: „Als Euer Oberbefehlshaber der Streitkräfte werde ich Euch und den Rest unserer bewaffneten Streitkräfte nicht zu einem weiteren Bodenkrieg im Irak verpflichten“. Das sagte Obama am Mittwoch bei einem Truppenbesuch des Zentralkommandos in Tampa (Florida), das unter anderem für Irak und Syrien zuständig ist. Zugleich warnte er die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) vor dem langen Arm des US-Militärs. „Unsere Reichweite ist groß, letztendlich werden wir Euch finden.“

Ganz anders sein Generalstabschef Martin Dempsey. Die Beteiligung von US-Militärberatern an direkten Kämpfen am Boden sei zwar nicht vorgesehen, sollten sich die Umstände jedoch ändern, „würde ich meine Empfehlung natürlich ändern“, sagte Dempsey am Dienstag vor dem US-Senat. Militärisch hatte Obama sein Streitkräfte bislang nur in den irakischen Luftraum geschickt. Am Dienstag ließ er erstmals Angriffe auf Stellungen der IS nahe Bagdad fliegen.

Auch die Regierungschefs anderer Staaten verschärfen zwar ihren Ton, bislang aber noch nicht ihre Gangart gegen IS. „Monster“ nannte Großbritanniens Premier David Cameron den IS. Die Enthauptung des Entwicklungshelfers David Haines sei ein „Akt des absolut Bösen“, Großbritannien werde die Mörder zur Strecke bringen. „Beseitigt“ – nicht mehr nur zurückgedrängt – werden müsse der IS, sagte der französische Außenminister Laurent Fabius.

So robben sich die Staatschefs verbal immer weiter heran, an den Einsatz von eigenen Truppen im Irak und Syrien. Sie schließen Maßnahmen erst aus, um dann zu konstatieren und nichts mehr auszuschließen. Besonders Großbritannien mäandert zwischen verschiedenen Statements hin und her: Noch vor weniger als vier Wochen hatte etwa Cameron kategorisch abgelehnt, dass sich das Vereinigte Königreich sich überhaupt militärisch am Kampf gegen den IS beteiligen könnte.

„Wir setzen dort keinen Stiefel auf den Boden. Wir werden die britische Armee nicht dorthin schicken“, hatte Cameron gesagt. Schon wenige Tage später war diese Haltung überholt: Camerons Außenminister Philip Hammond hatte dieses frühere Statement seines Premiers in Berlin bekräftigt, wurde dann aber umgehend von Camerons Sprecher korrigiert. Nichts werde mehr ausgeschlossen. Plötzlich ist die Unterstützung von Luftschlägen auch für die Briten denkbar. Man werde „alle notwendigen Schritte“ einleiten, lässt sich Cameron nun zitieren.

Besonders die Enthauptungen von drei westlichen Geiseln – den US-Journalisten James Foley und Steven Sotloff sowie dem britischen Entwicklungshelfer David Haines – setzen die Regierungen unter Zugzwang weitab von bloßer Droh-Rhetorik.

Kommentare zu " US-Bodentruppen gegen IS: Wann kehren die GIs zurück?"

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  • man kann ja dafür oder dagegen sein, dass US Bodentruppen eingesetzt werden. Ich halte es aber für ziemlich unglücklich dass Herr Obama schon jetzt öffentlich ankündigt was er macht und was er nicht macht. Da kann sich IS ja brilliant darauf einstellen.

  • Die USA geben $1 Million aus fuer jeden $1 den ISIS ausgibt. Genau das hat Bin Laden vorraus gesagt. Kriege sind leicht anzufangen, schwierig erfolgreich zu beenden und extrem teuer.
    Bevor die deutschen Politiker in ergebener Nibelungentreue den USA in den Untergang folgen (Irak, Ukraine,...) sollten unsere Politiker mal die Geschichtsbuecher entstauben. Auch Deutschland hat in den letzten 100 Jahren wohl ehr negative Erfahrungen mit Krieg gemacht.
    Im Irak sollen jene die Suppe ausloeffeln die sie angerichtet haben, die "Koalition der Willigen" wenn ich mich recht erinnere.

  • Das Entstehen des IS ist eine direkte Folge der Beseitigung von Sadam Hussain und der geplanten Beseitigung von Assad.
    Beide waren und sind säkulare Autokraten, die mit einem radikalen Islamismus nichts am Hut hatten.

    Die Destabilisierung der Region ist Folge der amerikanischen und angelsächsischen Politik, also ist es auch Sache der Amerikaner und Engländer mit den Folgen ferig zu werden.

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