US-Botschaft gestürmt
Krawalle in Belgrad

Eine von der Regierung organisierte Demonstration gegen die Unabhängigkeit des Kosovo ist am Abend in gewaltsame Proteste umgeschlagen, von denen auch die deutsche Botschaft betroffen war. Die randalierenden Jugendlichen haben es besonders auf ausländische Geschäfte abgesehen. Am Ende könnte die Gewalt sogar den europafreundlichen Kurs der serbischen Regierung gefährden.

BELGRAD. Ausgerechnet die Läden des amerikanischen Sportartikel-Herstellers Nike werden in der Belgrader Innenstadt gezielt geplündert: Teilweise vermummte und stark angetrunkene Jugendliche schmeißen die Schaufenster ein und räumen die Läden leer. Dabei ist gerade Nike der Ausrüster der serbischen Fußball-Nationalmannschaft. Aber auch ausländische Bankfilialen wie die der österreichischen Raiffeisenbank, der italienischen Unicredit oder Hypo Alpine werden gezielt attackiert. Ihre Schaufenster werden mit Steinen eingeworfen, während daneben stehende serbische Banken unbeschadet bleiben.

Der Mob tobt in Belgrads Innenstadt und die Polizei ist vollkommen unvorbereitet und muss immer wieder vor den Angreifern flüchten. Nicht einmal die in unmittelbarer Nähe des Demonstrationszuges liegenden Botschaften können die Beamten schützen. So wird die türkische Vertretung mit Steinen und Eisenstangen beworfen, die US-Gesandtschaft wird sogar von Brandsätzen getroffen. Die Polizei versucht hilflos mit dem massiven Beschuss mit Tränengas der randalisierenden Jugendlichen Herr zu werden. Doch den Krawallmachern gelingt es sogar, die gepanzerten Jeeps der behelmten Beamten zu umstellen. Sie hängen sich jubelnd an die Fahrzeuge als diese mitsamt den Beamten Reißaus nehmen.

Dabei hatte Belgrads Polizeichef nach den Krawallen in der Innenstadt in den letzten Nächten, bei denen schon einmal Botschaften attackiert worden waren, zugesagt, dass seine Einheiten bestens vorbereitet seien. Doch weder die diplomatischen Vertretungen sind gesichert, noch die Geschäftszeilen in Belgrads Fußgängerzonen. Dort fehlen Polizisten vollkommen. Hier wird dem Mob freier Lauf gelassen und die Plünderer machen mit vollen Armen Gebrauch davon. Albanische Bäckereien werden verwüstet, McDonalds-Restaurants, die extra zuvor geschlossen wurden, geplündert.

Dabei hatten die meisten serbischen Geschäftsleute, die ihre Läden nicht durch Rollläden verrammeln konnten, versucht sich durch das Aushängen großer serbischer Flaggen und Plakaten mit der Aufschrift „Kosovo ist Serbien“ vor den Krawallen zu schützen. Dabei sind auch die attackierten Nike- und Levis-Läden im Besitz einheimischer Oligarchen, die den Einzelhandel in Serbien unter sich weitgehend aufgeteilt haben. Deshalb vermuten ausländische Beobachter auch, dass in den letzten Tagen ausgerechnet in Einkaufszentren der slowenischen Merkator-Gruppe Bombenalarm ausgelöst wurde, weil es nicht um die Kosovo-Politik, sondern um das Fernhalten ausländischer Konkurrenten vom heimischen Markt gehe.

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