US-Bundespolizei
FBI gerät nach Boston-Bomben unter Druck

Je mehr über die mutmaßlichen Bombenleger von Boston herauskommt, desto schlechter sehen die US-Sicherheitsbehörden aus. Der ältere der beiden Brüder stand auf US-Terrorlisten und wurde schon einmal vom FBI befragt.
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WashingtonDie US-Bundespolizei FBI kannte ihn seit zwei Jahren, dem Auslandsgeheimdienst CIA war er ein Begriff, der russische Inlandsgeheimdienst FSB schlug mehrfach die Alarmglocken. Tamerlan Zarnajew war bei den amerikanischen Sicherheitsbehörden kein Unbekannter. Es gab offenbar deutliche Anhaltspunkte, dass sich der junge Mann zum radikalen Islamisten entwickelt und Böses im Sinn gehabt haben könnte, berichteten US-Medien am Donnerstag.

Mehrfach sei er von Fahndern interviewt worden, sein Name war in mehreren Anti-Terror-Datenbanken. Dennoch konnte der 26-Jährige gemeinsam mit seinem kleinen Bruder Dschochar mutmaßlich zwei Bomben an der Marathonstrecke in Boston zünden. Immer neue Erkenntnisse über Kommunikationsprobleme und unterschätzte Gefahren werfen ein schlechtes Licht auf den gewaltigen Polizei- und Geheimdienst-Apparat der Supermacht.

Das FBI gibt nach eigenen Angaben 3,3 Milliarden Dollar (2,5 Milliarden Dollar) pro Jahr für die Terrorismusbekämpfung aus. Mehr als 175 Verdächtige gingen der Behörde sei den Anschlägen vom 11. September ins Netz, zählte das US-Magazin „Mother Jones“. Doch bei ihnen handelte es sich fast vollständig um Möchtegern-Terroristen, die von den Ermittlern aktiv in eine Falle gelockt worden waren, ohne dass sie eine akute Bedrohung darstellten.

Die wahrhaft gefährlichen Staatsfeinde hingegen schlüpfen offensichtlich regelmäßig durch das angeblich so feinmaschige Netz. Boston sei „der fünfte Fall“, in dem eine Person dem FBI gemeldet wurde, nach einer Überprüfung als ungefährlich galt „und dann terroristische Morde ausführte“, sagte der republikanische Kongressabgeordnete und Sicherheitsexperte Peter King in einem TV-Interview.

Er meint etwa den US-Major Nidal Hasan, der 2009 auf einem Militär-Stützpunkt in Texas ein Blutbad mit 13 Toten anrichtete. Die Bundespolizei wusste vor der Tat von Kontakten mit Al-Kaida und 18 verdächtigen E-Mail-Wechseln mit dem 2011 beim einem Drohnenschlag getöteten Hassprediger Anwar al-Awlaki. Letzterer wurde übrigens 2001 auch von Ermittlern verhört und freigelassen, um dann ungehindert über weiteren Terrorangriffen zu brüten, weiß die „New York Times“.

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