US-Demokraten
Die Stammwähler als letzte Hoffnung

2006 verhalfen die unabhängigen Wähler den Demokraten zur Kontrolle im Kongress, entscheidend waren sie auch bei der Wahl Obamas zum Präsidenten. Bei der Kongresswahl 2010 muss die Partei dagegen auf ihre Stammwähler hoffen. Nur wenn diese zur Wahl gehen, können die Demokraten einen Erdrutsch zugunsten der Republikaner verhindern.
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Die Gruppe der unabhängigen Wähler war es, die 2006 den Demokraten die Kontrolle über den Kongress verschaffte. Und sie war der entscheidende Faktor bei der Wahl von Barack Obama zum amerikanischen Präsidenten 2008.

Auch in diesem Wahljahr ist diese Gruppe mit 40 Prozent stark. Doch diesmal werden sie die Demokraten wohl im Stich lassen. Die Unabhängigen wenden sich den Republikanern zu und werden ihnen wahrscheinlich zum Sieg verhelfen.

Fehlende Dynamik, schlechte Stimmung

Das zumindest verheißen die jüngsten Wählerbefragungen der Online-Publikation "Politico" gemeinsam mit der George-Washington-Universität (GWU). Danach vertrauen die Unabhängigen den Republikanern mit einer Marge von 14 Prozent mehr als den Demokraten. Der Grund: Jeweils mehr als 60 Prozent der Befragten sehen keine Vorteile durch die Gesundheitsreform, und sie lasten Obama die schlechte Wirtschaftslage an. "Hope and change", analysiert Chris Arterton, Professor an der GWU, "ist mit der ökonomischen Realität zusammengeprallt."

Die bei Zwischenwahlen ohnehin meist fehlende Dynamik, gepaart mit schlechter Stimmung - gegen diese Mischung scheinen die Demokraten nicht anzukommen. Die Wahrnehmung, dass das knapp 800 Mrd. Dollar schwere Konjunkturpaket nicht viel gebracht hat, lässt sich bei vielen Wählern offenbar nicht nachhaltig entkräften. Ebenso wenig der Eindruck, dass die Rettung von Großkonzernen wie dem Autobauer General Motors, der Bank of America oder dem Versicherungsriesen AIG am Ende dem Steuerzahler auf die Rechnung gesetzt wird. Oder, dass das Haushaltsdefizit von den amerikanischen Bürgern finanziert werden muss.

In die Verantwortung dafür genommen werden zwar alle Parteien. So liegen die Sympathiewerte für die Republikaner zum Teil noch unter jenen der Demokraten. Doch vor allem die Politiker der Regierungspartei, demokratische Abgeordnete, Senatoren und Gouverneure, spüren den Zorn. Nach einer Gallup-Umfrage wollen im Lager der Unabhängigen nur 23 Prozent jene Mannschaft wieder im Kapitol sehen, die derzeit dort sitzt.

Umso mehr konzentriert sich Präsident Obama bei seinen Wahlkampfauftritten auf die demokratische Kernwählerschaft. Nur, wenn die liberal gesinnten Wähler an die Urnen gehen, kann ein Erdrutsch zugunsten der Republikaner verhindert werden. Doch dass dies gelingt, ist zweifelhaft.

Markus Ziener ist Korrespondent in Washington.
Markus Ziener
Handelsblatt / Korrespondent

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