US-Energiepolitik: Wird Amerika zur grünen Nation?

US-Energiepolitik
Wird Amerika zur grünen Nation?

Spritfresser, Klimaanlagen, Kühlschränke so groß wie Kleiderschränke. In Energiefragen waren die Amerikaner lange alles andere als vorbildlich. Der neue Präsident Barack Obama will das ändern und einen neuen Kurs in der Energiepolitik einschlagen. In Zeiten der Rezession plant er die grüne Revolution.
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SAN FRANCISCO. Rezession hin oder her: Nicht nur bei der Bewältigung der Wirtschaftskrise erwarten viele Amerikaner Großes von ihrem neuen Präsidenten, sondern auch in der Energiepolitik. Nichts weniger als eine Wende um 180 Grad soll Barack Obama schaffen. Aus dem weltgrößten Luftverschmutzer soll der Demokrat eine grüne Nation machen, aus Dreckschleudern moderne, effiziente Kraftwerke, aus Spritfressern auf den Straßen sanft gleitende Sparmodelle. Groß sind nicht nur die Erwartungen von Obamas Unterstützern, sondern auch die Hoffnungen der Anbieter alternativer Energien.

Die Ambitionen des neuen Präsidenten, der am 20. Januar sein Amt antritt, lassen sich an den Eckpunkten seines Energieprogramms ablesen. Der Entwurf, der in Washington zirkuliert, liest sich wie die Bibel jedes engagierten Umweltschützers: So soll die Energiegewinnung aus alternativen Quellen in drei Jahren verdoppelt werden; im Jahr 2025 sollen Wind, Wasser, Sonne und Biomasse ein Viertel des Verbrauchs decken. Obama will öffentliche und private Haushalte auf radikale Energieeinsparungen einschwören. 75 Prozent der öffentlichen Gebäude und zwei Millionen private Haushalte sollen auf ihr Energiesparpotenzial überprüft werden.

Der Staat soll dabei finanzielle Anreize bieten. Obama will in den nächsten zehn Jahren 150 Mrd. Dollar zur Förderung von "sauberer Energie" bereitstellen. Mit den Steuergeldern will die Regierung Hybrid-Autos, umweltverträglichere Kohlekraftwerke, Energiesparprogramme und ein neues Stromnetz fördern.

Doch kann Obama tatsächlich die Ökowende schaffen - ausgerechnet jetzt, wo die Wirtschaft unter der Rezession ächzt und die Menschen sich um ihre Jobs sorgen? Haben nicht die Kritiker recht, wenn sie darauf hinweisen, dass Ökotechniken Energie teurer machen und damit Arbeitsplätze gefährden? Ist Wirtschaftswachstum momentan nicht wichtiger als Umweltschutz?

Solche Zielkonflikte will Obama, der "Jobs, Jobs, Jobs" zu seiner Top-Priorität gemacht hat und drei Millionen Arbeitsplätze sichern oder schaffen will, geschickt auflösen: Umweltschutz soll Arbeitsplätze schaffen, heißt es in seinem Energieplan. Nach einem Treffen mit seinem Vizepräsidenten Joe Biden und Al Gore, dem Ex-Vize von Bill Clinton, bekräftigte Obama diese Hoffnungen: "Wir haben die Chance, im ganzen Land neue Jobs zu schaffen, Amerika erstarken zu lassen, umzudenken, wie wir Energie gewinnen und die Effizienz unserer Energiegewinnung steigern, um die Wirtschaft zu stärken."

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