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US-Finanzminister: Retter in Not

Timothy Geithner hat die wichtigste Aufgabe im Kabinett von US-Präsident Barack Obama. Er muss das sieche Bankensystem reanimieren. Beim ersten öffentlichen Auftritt versagte der Finanzminister. Jetzt kommt seine zweite Chance.

Quelle: ap
Quelle: ap

WASHINGTON. Larry Summers gibt sich wirklich große Mühe, wenn man bedenkt, wie er die Dinge sieht.

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Er sagt: „Ich glaube, dass Secretary Geithner das sehr couragiert macht.“ Er sagt: „Sein Ansatz basiert auf Taten, nicht auf Worten.“ Summers, ein feister Mittfünfziger, steht am Rednerpult, es ist das Auditorium eines Ortes, an dem er sich wohlfühlt. Das Falk-Auditorium der Brookings Institution, eines liberalen Think-Tanks an der Washingtoner Massachusetts Avenue. Hier hat er früher endlose wirtschaftstheoretische Debatten geführt, die er meist gewann, natürlich gewann.

An diesem Abend Anfang März spricht Summers über das Krisenmanagement des amerikanischen Finanzministers. Aber eigentlich spricht er über jemand anderen. Das Lob an Geithners Adresse gilt ihm selbst.

Denn wie Summers die Dinge sieht, ist er der „mastermind“, der brillante Kopf hinter den Plänen seines Präsidenten, das strategische Hirn in der Krise, das nun die Blaupausen ersinnt, die die Volkswirtschaft der USA retten sollen.

Die anderen, mögen ihre Gesichter auch bekannter sein als seines, verkaufen nur seine Ideen. Der Minister Geithner zum Beispiel, der Finanzminister. Die Sache hat aus Summers' Sicht nur einen Haken: Geithner, findet er, tut seinen Job nicht, er kann die schönen Ideen nicht verkaufen.

Geithners Problem ist, dass es sich bei Summers nicht um einen einzelnen Neider handelt, sondern dass er nur eine allgemeine Stimmung wiedergibt. Nach gerade einmal 50 Tagen im Amt steht der US-Finanzminister mächtig unter Beschuss. So sehr, dass sich die eigenen Spin-Doktoren genötigt sehen, verschärfte Vorkehrungen für diesen Montag zu treffen, an dem Geithner vor die Presse tritt und bekanntgeben soll, was er und was sein Präsident zu tun gedenken, um die Krise möglichst in den Griff zu bekommen.

Die wichtigsten Details des Plans werden schon am Wochenende an die Presse durchgestochen, der Termin für den Auftritt des Ministers noch vor die Eröffnung der Börse in New York gelegt, nichts soll ablenken. Und für die Pressekonferenz selbst sind weder Kameras zugelassen noch Mikrofone. Nur mit Stift und Block dürfen die Journalisten festhalten, was Geithner ihnen zu sagen hat. So groß ist die Angst, dass Geithner erneut keine Präsenz entwickelt, dass er ein Sinnbild abgibt für das ganze Dilemma, Sprachlosigkeit angesichts der großen Probleme, vor denen das Land steht. Und dass am Ende Geithner gar von den Fragen der Reporter zerlegt werden könnte und das PR-Dilemma im Fernsehen zu besichtigen sein könnte. Der Mann, der Amerikas Wirtschaft retten soll, wird vor den Kameras der großen TV-Networks versteckt.

Kein gutes Omen für eine Woche, die die Wende bringen soll: mit mehreren Auftritten von Geithner, Notenbankchef Ben Bernanke und einer neuerlichen öffentlichen Pressekonferenz von Barack Obama im Weißen Haus. Es geht um viel.

Geithners „letzter Schuss“ sei dies, haben die Zeitungskolumnisten seit Tagen orakelt, Republikaner fordern gar schon den Rücktritt des Finanzministers. Und dann werden wieder ausführlich alle Probleme aufgelistet, die Geithner an den Hacken kleben: seine Steuerprobleme, die ihn fast den Job gekostet hätten, seine Rolle beim Bonusskandal des Versicherungskonzerns AIG, die schleppende Bestätigung seiner Mannschaft durch den Kongress – und natürlich: sein schwacher Auftritt an jenem 10. Februar.

Die Finanzwelt wartete gespannt auf den groß angekündigten Plan zur Rettung der Banken. Doch nachdem Geithner gesagt hatte, was er sagen wollte, war die Welt kaum schlauer. Keine Details, nichts Konkretes, kaum mehr als die Bekundung guten Willens. Als der Minister das Pult verließ, hatte man den Eindruck, er würde noch was sagen wollen. Aber er sagte nichts mehr.

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