US-Finanzminister teilt aus
Im Währungsstreit lassen USA die Muskeln spielen

Mit Angriffen auf den IWF, die Europäer und China hat der US-Finanzminister seine Regierung vor dem Finanzgipfel in Washington isoliert. Die Reform der Finanzmärkte rückt an den Rand. Wer gegen wen wettert und was das für die Märkte bedeutet.
  • 1

WASHINGTON/BERLIN/PARIS/BRÜSSEL. Direkt vor der Herbsttagung von IWF und Weltbank lassen die USA den Währungsstreit weiter eskalieren. Ins Visier genommen hat die US-Regierung jetzt aber nicht nur China, sondern auch Europa und den Internationalen Währungsfonds (IWF).

Finanzminister Timothy Geithner kritisierte, die Euro-Zone habe auf die Krise im Frühjahr viel zu spät reagiert und dadurch erheblichen Schaden angerichtet. Den IWF warnte er kaum verhüllt, die USA könnten die Reform des Fonds blockieren, sollte dieser nicht stärker auf eine Aufwertung des chinesischen Yuans drängen.

IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn gab dem Druck nach. "Die Unterbewertung des Yuans ist die Quelle von Spannungen in der Weltwirtschaft, die dabei sind, zu einer Bedrohung zu werden", sagte er gestern.

Seit Wochen lassen die USA im IWF die Muskeln spielen und verhindern eine Einigung bei der Zusammensetzung des Exekutivrates. Washington will eine Reduzierung der Sitze in diesem wichtigen Entscheidungsgremium zulasten Europas. Mit knapp 17 Prozent verfügen die USA beim IWF über eine Sperrminorität. Sollte die Blockade nicht bis Ende des Monats aufgelöst werden, liegt die gesamte IWF-Reform auf Eis (siehe: "Offizielle Agenda").

Asmussen vertritt Schäuble in Washington

Die IWF-Reform steht im Mittelpunkt des Treffens der Finanzminister und Notenbankchefs der 187 IWF-Mitgliedstaaten, das heute in Washington beginnt. Der erkrankte deutsche Finanzminister Wolfgang Schäuble wird von Finanzstaatssekretär Jörg Asmussen vertreten.

Im Währungsstreit habe sich die Bundesregierung Zurückhaltung verordnet, um das Reformklima zu verbessern, hieß es gestern. Inhaltlich teile man die Kritik der EU am drohenden Abwertungswettlauf. In den letzten Tagen hatten auch die Notenbanken Japans, Thailands und Brasiliens gegen eine Aufwertung an den Märkten interveniert.

Seite 1:

Im Währungsstreit lassen USA die Muskeln spielen

Seite 2:

Kommentare zu " US-Finanzminister teilt aus: Im Währungsstreit lassen USA die Muskeln spielen"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Der Satz "Die Euro-Zone habe viel zu spät reagiert" bezieht sich offensichtlich auf Angela Merkel, die die Griechen-Rettung immer wieder verzögerte und dadurch enorm verteuerte.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%