US-Firmen in Sorge
Streit der Großmächte trifft Wirtschaft

Die Spannungen zwischen den USA und Russland im Streit über Georgien bereiten US-Firmen in Moskau zunehmend Sorgen. Die Manager befürchten, die harsche Kritik ihrer Regierung an Moskaus Vorgehen im Kaukasus-Konflikt könnte ihren Geschäften schaden. Unbestätigten Berichten zufolge liegen die ersten US-Projekte bereits auf Eis.

MOSKAU. "Es ist sehr bedauerlich, dass sich die Stimmung so hochgeschaukelt hat", sagt Hans Wicks, Vizepräsident der US-Beratungsgesellschaft CBSD in Moskau. Zwar kämen weiter Aufträge rein, doch die nervösen Anrufe aus Amerika häuften sich.

Vor allen in den ersten Tagen nach dem Georgien-Krieg hatte sich die US-Regierung harsch geäußert. Bei den Schuldzuweisungen an die Adresse Moskaus hätten sie zu einseitig reagiert, kritisieren US-Manager in Moskau, ohne sich zitieren zu lassen. Nach unbestätigten Berichten liegen die ersten US-Projekte auf Eis - dabei ist aber nicht klar, ob das auf das politische Klima zurückgeht oder die internationale Finanzkrise. Auch am Donnerstag gaben Russlands Finanzmärkte um 2,7 Prozent nach, im laufenden Quartal ist die Börsenkapitalisierung um 40 Prozent gefallen.

Inzwischen ist auch in der US-Community nicht mehr klar, welche Position Washington wirklich vertritt: Zu Beginn der Woche betonte die Administration, dass sie keine bilateralen Sanktionen plane. Dann kündigte Präsident George W. Bush an, ein Abkommen über Zusammenarbeit bei ziviler Nukleartechnik auf Eis zu legen. Andrew Summers, Chef der American Chamber of Commerce in Moskau, der über 800 US-Unternehmen angehören, machte sich daher auf den Weg, um die Stimmung in Washington auszuloten.

Russlands Handelsvolumen mit den USA ist im Vergleich zur EU zwar klein (die Europäer bestreiten 43 Prozent aller russischer Importe, die USA fünf Prozent), die Wirtschaftsbeziehungen hatten sich zuletzt aber dynamisch entwickelt. In 2007 wuchsen die Exporte nach Russland vier mal schneller als der Durchschnitt des US-Außenhandels. Auch die Investitionen legten zu: So baut General Motors für 300 Mill. Dollar eine Fabrik in St. Petersburg.

Zum Petersburger Wirtschaftsforum im Juni war eine staatliche US-Delegation von CEOs großer Konzerne, angeführt von Handelsminister Carlos Gutierrez, angereist. In einem Beitrag für die regierungsnahe Zeitung "Iswestia" hatte er betont, wie wichtig Russlands Beitritt zur Welthandelsorganisation sei. Russland sei ein zunehmend bedeutender Markt für US-Produkte, umso wichtiger sei es dass sich das Land weiter in die globale Wirtschaft integriere. Ende August klang das ganz anders: Russland riskiere seine Mitgliedschaft in der G8 und WTO, ließ der Minister in einem Interview wissen. Ins gleiche Horn stieß der Präsidentschaftsbewerber der Republikaner, John McCain.

Beobachter weisen darauf hin, dass es in den USA Interessen gebe, Russland als aggressiv und unnachgiebig darzustellen. Investoren sollten sich von solchen Nebelkerzen aber nicht verwirren lassen, sagte der Chefökonom von Prosperity Capital in London, Liam Halligan.

Die politische Krise hatte in den vergangenen Wochen den schon im Sommer einsetzenden Kapitalabfluss aus Russland verstärkt. Kremlchef Dmitrij Medwedjew sah sich gestern genötigt, staatliche Kapitalspritzen für den Finanzmarkt anzukündigen, dem es an Liquidität fehlt. Die Schuld für die Misere hatte der Präsident wiederholt den USA gegeben. Zudem kündigte Medwedjew eine Modernisierung der Streitkräfte an. Der Krieg um Südossetien habe Schwächen bei Bewaffnung und Ausrüstung der Soldaten offenbart. Nach Angaben von Finanzminister Alexej Kudrin soll der Verteidigungsetat für das kommende Jahr um 26 Prozent auf 50 Mrd. Dollar erhöht werden.

Regierungschef Wladimir Putin sandte dagegen Entspannungssignale. "Russland hat das Ende der UdSSR selbst initiiert. Wir haben keinen Wunsch und keine Grundlage, uns an der Souveränität der früheren Sowjetrepubliken zu vergreifen", sagte er bei einem Expertenforum in Sotschi. Er sehe nach dem Krieg im Südkaukasus keine Gefahr eines Kalten Krieges. Im Gegensatz zu den Zeiten der Sowjetunion gebe es heute keine "ideologischen Widersprüche" mehr. "Wir haben gemeinsame Probleme, die wir nur mit geeinten Kräften lösen können", sagte Putin. Dazu gehöre etwa der Kampf gegen den Terrorismus oder gegen die Verbreitung von Massenvernichtungswaffen.

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